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Motorradtour Dolomiten 2008
Passo della Pianella, Passo della Borcola und Passo Piana del Fugazze

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Am nächsten Morgen rollen wir auf fast leeren Straßen durch Levico Terme nach Caldonazzo und genießen dann die fast leere Kaiserjägerstraße. Noch weniger Verkehr können wir uns kaum vorstellen, erleben genau das aber kurz nachdem wir auf dem Passo del Somo links auf die SP142 Richtung Tonezza del Cimone abgebogen sind. Wir haben die gut geteerte, allerdings in den Waldpassagen etwas schmutzige Straße, praktisch für uns alleine. Das bleibt zum Glück auch so, als wir ein paar Kilometer vor Tonezza wegen einer Baustelle auf eine schmale und kurvenreiche Umleitungsstrecke geschickt werden.

In Tonezza fahren wir zunächst auf der passabel geteerten Straße hinauf zum Monte Cimone, wo wir unsere Mopeds am Ende der Straße auf dem Parkplatz abstellen. Nach kurzem Fußmarsch erreichen wir das auf der Bergspitze errichtete Mahnmal für die Opfer des ersten Weltkriegs. Warum dieser Berg damals so strategisch wichtig und umkämpft war, erkennt auch der militärische Laie an der phantastischen Rundumsicht, die sich von hier aus bietet.

Kriegerdenkmal auf dem Monte Cimone
Kriegerdenkmal auf dem Monte Cimone

phantastische Rundumsicht vom Monte Cimone
phantastische Rundumsicht vom Monte Cimonephantastische Rundumsicht vom Monte Cimone


Zurück in Tonezza fahren wir über die SP83 hinunter nach Asiero. Die gut ausgebaute Strecke mit ihnen flott zu fahrenden Kurven entschädigt durchaus dafür, dass man die alte, sehr enge und kehrenreiche (23 Spitzkehren auf knapp 6,5 km) Straße von Pedescala hinauf nach Asiero nicht mehr benutzen darf.

hier ist der Schotter noch problemlos zu befahren
hier ist der Schotter noch problemlos zu befahren

Als nächstes nehmen wir die Strecke über den ungeteerten Passo della Pianella (1365 m) hinauf zum Passo di Valbona (1782 m) unter die Räder. Die Einfahrt dazu befindet sich zwischen Asiero und Castana und ist leicht zu finden. Die Straße ist zunächst zwar schmal aber gut geteert, was sich aber nach fünfeinhalb Kilometern plötzlich ändert. Ohne Vorwarnung werden die Löcher im Teer plötzlich größer und ehe wir uns versehen, finden wir uns auf festgefahrenem Schotter wieder.

Da die Steigungen sich in Grenzen halten und auch die Spitzkehren nicht besonders steil sind, kommen wir zunächst gut voran. Nach zirka acht Kilometer auf problemlos befahrbaren Untergrund wird der Schotter langsam loser und die Fahrt beschwerlicher. 

Weil das GPS aber nur noch vier Kilometer bis zum Erreichen der geteerten Strecke anzeigt, fahren wir auch dann weiter, als mehrere Schneefelder die Fahrbahn auf einen knappen Meter verengen und das Durchkommen erheblich erschweren. Nachdem wir die Mopeds an den Engstellen vorbei manövriert haben, wird der Untergrund noch loser und es verlangt schon einiges an Erfahrung, um mit unseren relativ schweren Straßenmaschinen die nächste Kehre zu bewältigen. Kurz danach bereitet ein über die gesamte Breite des Weges reichendes Schneefeld unserer Hoffnung, bald wieder auf Teer zu fahren, ein jähes Ende.

grober Schotter

mitten im Schneefeld

auf dem Weg vom Passo della Pianella zum Passo di Valbona wird erst der Schotter ziemlich grob ...

... und kurz vor der Passhöhe versperrt uns ein Schneefeld die Durchfahrt


Das Schneefeld ist nur knapp 60 Meter lang und danach beginnt bald und ohne weitere Hindernisse die geteerte Straße. Darum, und weil wir eigentlich keine Lust haben die zwölfeinhalb Kilometer Schotter wieder zurück zu fahren, versuchen wir meine RT durch den Schnee zu schieben. Da das Hinterrad aber keinen Grip findet und wir zu zweit nicht die Kraft haben, die 280 Kilo schwere Maschine durch den Schnee zu wuchten, endet dieses Unterfangen schon nach wenigen Metern.

Bevor wir, nur knapp 600 Meter vor dem Ende des Schotters, umkehren müssen, legen wir eine Verschnaufpause ein. Die körperliche Anstrengung hat uns zugesetzt und der Gedanke an den losen Schotter, den wir jetzt auch noch bergab bewältigen müssen, drückt auf die Stimmung.
 

hier ist der Schotter noch problemlos zu befahren
eigentlich ein sehr schönes Sträßchen!

Nachdem wir die Engstellen und den losen Schotten hinter uns haben, läuft es so gut, dass ich einen Weg, der nach rechts abzweigt, mehr oder weniger übersehe. Ich registriere zwar das „Gesperrt für Fahrzeuge über 2t“-Schild, komme aber nicht auf die Idee zu schauen, wo dieser Weg hinführt. Wie sich später beim Blick auf die Karte und die im Internet gesammelten Informationen herausstellt, hätte uns der Weg über die Campoluzzo-Alm zum Passo Coe (1608 m) gebracht. Mit etwas Glück wären wir auf diesem Weg zur geteerten Straße durchgekommen.

So aber stehen wir nach fast drei Stunden wieder an der Stelle, an der das Abenteuer seinen Anfang genommen hat. Nach einer längeren Mittagspause sind wir schon wieder so mutig zu behaupten, dass aus unserer Sicht der Passo dalla Pianella grundsätz-

lich auch mit Straßenmotorrädern befahrbar ist. Allerdings nur unter den Voraussetzungen, dass einerseits das Motorrad einen großen Lenkeinschlag zulässt und andererseits der Fahrer fähig ist, sein Moped auch auf losem Untergrund um enge Kurven zu steuern. Und natürlich darf die Strecke nicht wegen Schnee unbefahrbar sein.

macht viel Spaß: der Passo della Borcola
macht viel Spaß: der Passo della Borcola

Wir beratschlagen auch, wie wir weiter fahren wollen. Schließlich haben wir noch eine Menge geteerte Pässe und das Treffen mit Peter, der heute noch zu uns stoßen will, auf unserem Tagesplan. Frisch gestärkt geht es zunächst nach Posina, wo wir rechts zum Passo della Borcola abbiegen. Den tollen Grip, den die trockene, saubere und in bestem Zustand befindliche Straße bietet, nutzen wir zu flotter Gangart. Dabei kommt uns gelegen, dass wir mal wieder absolut alleine unterwegs zu sein scheinen. Kein Auto oder sonstiges Gefährt begegnet uns auf der gesamten Strecke zur Passhöhe.

Auf unserem weiteren Weg hinunter nach Rovereto überrascht uns in Valduga ein heftiger Regenschauer. Angekündigt hat sich das schon länger dadurch, dass

sich die Wolken immer mehr zusammenballen und vereinzelt Tropfen auf unseren Visieren landen. Jetzt kommt der Regen aber so schlagartig, dass wir noch nicht einmal dazu kommen uns Regenklamotten über zu ziehen. Zum Glück ist der Schauer so schnell vorbei, wie er begonnen hat.

Als wir, kurz vor Rovereto, links auf die SS46 hinauf zum Passo Piana del Fugazze abbiegen wollen, hängen dort dunkle Gewitterwolken und versperren uns den Weg. Kurzerhand fahren wir in die Stadt hinein und suchen uns ein Cafe, in dem wir über die weitere Streckenführung beratschlagen und noch mal mit Peter telefonischen Kontakt aufnehmen können.

Unser Tagesziel ist die Pension Al Pino, in der zu Enego gehörenden Ortschaft Stoner. Da Peter bis dorthin noch gut zwei Stunden braucht, haben auch wir, obwohl es inzwischen schon fast halb fünf ist, keinen allzu großen Zeitdruck. Ein Blick zum Himmel zeigt, dass das Gewitter inzwischen wohl zum Passo del Sommo gezogen ist und uns damit den kürzesten Weg versperrt. Also bleiben wir bei unser bisherigen Planung über den Fugazze zum Colle Xomo und von dort aus nach Stoner zu fahren.

Wegen einer Umleitung in der Stadt befinden wir uns statt auf der SS46 plötzlich auf der parallel verlaufenden SP89, die über mehrere kleine Ortschaften ebenfalls zum Fuggaze führt. Die Straße ist sehr gut ausgebaut und, da praktisch kein Verkehr herrscht, flott zu fahren. Erst kurz bevor wir bei Anghebeni die SS46 erreichen, werden wir durch die Nässe eingebremst, die der Gewitterschauer auf der Straße hinterlassen hat. Leider ist auch die SS46 im weiteren Verlauf nass und zum Teil rutschig, ansonsten wäre sie sicher toll zu fahren.

Als wir, etwa drei Kilometer hinter dem Passo Piana del Fugazze, links zum Colle Xomo abbiegen wollen, weist uns ein Sackgassen-Schild mit ziemlich viel Text darauf hin, dass die Strecke nach acht Kilometern unpassierbar ist. Normalerweise lassen wir uns durch solche Schilder nicht davon abhalten, die Durchfahrt wenigstens zu versuchen. Aber heute haben wir keinen Nerv und auch keine Zeit mehr für einen eventuellen Fehlversuch.

Also folgen wir der SS46 weiter bis Schio und landen mitten im heftigen Feierabendverkehr. Von Schio aus geht es kilometerweit durch mehr oder weniger zusammengewachsene Ortschaften, bis wir bei Mosson endlich die SP349 erreichen, die uns hinauf zur Hochebene der sieben Gemeinden (Altopiano die Sette Comuni) bringt. Die Straße ist sehr gut ausgebaut, weist zehn tolle Spitzkehren auf und so fahren wir uns den Frust der letzten paar Staukilometer von der Seele.

Bild-39

Kaum auf der Hochebene angekommen, erwartet uns schon wieder der Regen. Nicht allzu heftig, aber immerhin so, dass wir unsere Regenklamotten anziehen. Nachdem wir Asiago, den größten Ort auf der Hochebene, hinter uns haben, läuft es auch wieder etwas flüssiger und endlich, gegen Viertel nach Sieben, erreichen wir das Al Pino ... und stellen fest, dass es offensichtlich geschlossen ist.

Während Georg gerade versucht mit Peter Verbindung aufzunehmen und ich mit meiner besseren Hälfte tefefoniere, erscheint plötzlich der Wirt. Ich unterbreche sofort mein Telefonat und erkläre dem Patrone unsere Lage. Zum Glück versteht und spricht auch er sehr gut deutsch und hat entweder Mitleid mit uns, oder will sich den Verdienst nicht entgehen lassen. Auf jeden Fall ruft

er seine Tochter an und innerhalb einer knappen Stunde hat sie zwei Zimmer hergerichtet und ein gutes Abendessen vorbereitet.

Inzwischen ist auch Peter eingetroffen, der sich in Trento heillos verfahren hat und der Anschaffung eines GPS fürs Motorrad nicht mehr abgeneigt ist. Nach jeweils einer großen Portion Spaghetti Aglio, Olio e Peperonici, einem großen gemischten Salat und einem Kotelett mit Gemüse sowie zwei gemeinsam genossenen Litern Rotwein hauen wir uns todmüde aufs Ohr.
 

Der unten dargestellte Track ist bei “GPSies” abgelegt und kann hier genauer (z.B. Höhenprofil) betrachtet werden. Die Karte ist interaktiv, so dass man zwischen Gelände-, Karten- und Satelliten-Darstellung umschalten und auch den Maßstab ändern kann. Der Track kann auch in verschiedenen Formaten herunter geladen oder ausgedruckt werden.

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