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Norwegen – Motorradtour vom 10.07. bis 21.07.2002

Teil II:

Vik - Øystese (17.07.2002)

Hopperstad_Stavkyrkj02

  Die beeindruckende Hopperstad Stavkyrkj bei Vik

Auf unserem Frühstückstisch stand heute ein Käse, den wir bisher noch nirgends bekommen haben und den wir leider hier zum letzten Mal bekommen sollten. Wie wir herausfanden handelte es sich dabei um "Gamelost", eine alte norwegische Käsespezialität die nur in der Meierei in Vik hergestellt wird. Geschmacklich mit keinem unserer mittel- und südeuropäischen Käse zu vergleichen, ist der Gamelost doch auf jeden Fall probierenswert.

Der Motor der RT war an diesem Morgen noch garnicht richtig warm, als wir schon unseren ersten Stop einlegten und noch innerhalb der Ortsgrenze von Vik die Stabkirche von Hoppestad besuchten. Die imposante, zwischen 1150 und 1200 erbaute Kirche liegt rechts der S13, ist von dieser aus aber nicht zu sehen und daher leicht zu verpassen.

Nach diesem kurzen Abstecher ging es weiter auf der S13 hinauf aufs Vikafjell. Wie wir inzwischen wussten,deutet „Fjell“ auf ein meist zerklüftetes, vegetationsarmes Hochland hin. Allerdings waren wir nicht darauf

Vikafjell03

Schneewand auf dem Vikafjell ... mitten im Juli!

vorbereitet, uns schon knapp 20 Kilometer von dem auf Meereshöhe liegenden Vik entfernt mitten in einem Schneefeld wiederzufinden. Und das auf nur knapp 1000 Meter Höhe und mitten im Juli! Hätten wir zu dem Zeitpunkt gewusst, dass hier Ende Mai ein Skifestival gefeiert wird, hätte uns der Schnee wahrscheinlich weniger überrascht.

Wegen Nebel, oder besser gesagt wegen tiefhängenden Wolken, war von der vielgerühmten Aussicht, die man von hier aus über den Sognefjord bis zum Jostedalsbreen haben soll, leider nichts zu sehen. Aus diesem Grunde, und weil es dort oben wirklich ziemlich kalt war, fuhren wir nach einem nur kurzen Fotostop weiter nach Vinje, wo wir auf die E16 trafen und uns zunächst links Richtung Gudvangen hielten.

Nach etwas mehr als drei Kilometern wechselten wir auf ein schmales Sträßchen, welches sich rechts am Oppheimvatnet (Vatnet = See) entlangschlängelt und an dessen östlichem Ende wieder auf die E16 trifft. Der Abstecher ist nicht besonders spektakulär, führt einen aber mitten durch Felder und über die Bauernhöfe und vermittelt so ein wenig Einblick in die Landwirtschaft Norwegens.

Stalheimskleivi

   Ein paar der Serpentinen der Stalheimskleivi.

Næroyfjordes

   Der Nærøyfjordes bei Gudvangen

Wieder auf der E16 ging es weiter Richtung Gudvangen, allerdings nur bis zum Abzweig zum Stalheim Hotel. Die Straße hinauf zu dem bekannten Hotel, von dessen Terrasse man einen tollen Blick ins 550 Meter tiefer gelegene Nærøydalen hat, ist zwar schmal aber noch nicht sonderlich spektakulär. Aber die Abfahrt über die knapp zwei Kilometer lange, mit 13 sehr engen Kehren gespickte und mit 20% Gefälle nicht gerade flache Straße ist absolut atemberaubend! Um so erstaunter waren wir, dass uns auf diesem Stück kurz hintereinander sieben Busse entgegenkamen.

Die Strecke ist übrigens auch als alte E16 ausgeschildert, auch wenn man sich kaum vorstellen kann, dass der gesamte Verkehr mal über diese Straße gelaufen sein soll. Die neue E16 unterquert den Bergrücken in einem Tunnel, ist also absolut reizlos. Von der Stelle, an der die Stalheimskleivi wieder auf die E16 trifft bis nach Gudvangen sind es nur noch knapp acht Kilometer.

Gudvangen ist ein winziger, am Ende des Nærøyfjordes gelegener Ort, in dem schon vor mehr als hundert Jahren Touristen „einfielen“. Früher sollen hier bis zu 500 Pferdekutschen stationiert gewesen sein, um die Urlauber über die 1849 fertiggestellte Stalheimskleivi zum Hotel Stalheim und weiter nach Voss zu bringen.

Die Zufahrt zu unserem eigentlichen Ziel, der winzigen Gemeinde Bakka am Westufer des Fjords, hätten wir fast nicht gefunden. Wer dort hin will muss links am Fähranleger vorbei und dann mitten über ein Kalksteinwerk. Danach geht es auf einer sehr schmalen, gut geteerten Straße bis zum Eingang eines gut zwei Kilometer langen und ebenso schmalen Tunnels. Leider kann man die alte Straße, die dicht entlang des hier sehr schmalen Fjords verlief, nicht mehr fahren. Dafür hat man nach dem Tunnel einen herrlichen Blick über den hier nur knapp 200 Meter breiten, von hohen, fast senkrechten Felswänden eingerahmten Nærøyfjordes.

Kurz vor Bakka stellte sich uns noch ein Hindernis in den Weg, ein Gatter. Da ich irgendwo mal gelesen hatte, dass man in Norwegen ein solches ruhig öffnen darf, solange man es nach der Durchfahrt wieder schließt, ließen wir uns davon aber nicht aufhalten. Bakka selbst ist ein idyllisches Örtchen, das mit Fremdenverkehr offensichtlich garnichts am Hut hat. Einzig die Kirche ist herzeigenswert, und natürlich die herrliche Fjordlandschaft.

Bei der Rückfahrt nach Gudvangen hatten wir am oben erwähnten Gatter ein kleines Problem. Draußen stand nämlich ein Pferd, das offensichtlich in die Ortschaft wollte. Aber gerade das zu verhindern war wohl der Zweck des Gatters, kam uns in den Sinn. Drinnen stand ein Vater, der seine beiden Kids in einem Zwillingsbuggy spazieren fuhr und raus wollte – aber wegen dem Pferd nicht raus konnte. Erst nach gut zehn Minuten gelang es uns in einer konzertierten Aktion das Pferd zu bändigen, das Gatter zu öffnen, die Kinder und das Moped nach draußen zu bringen und das Gatter wieder zu schließen. Alleine hätten wir dem Gaul ziemlich hilflos gegenübergestanden!

Natürlich benutzten wir auch auf dem Rückweg nach Vinje nicht den Tunnel auf der neuen E16, sondern haben noch mal die 13 Kehren der Stalheimskleivi genossen. Dafür ließen wir dann allerdings den Oppheimvatnet diesmal im wahrsten Sinne des Wortes links liegen.

Tvinnefoss.

Der berühmte und vielbesuchte Tvinnefoss

Von Vinje ging es auf der E16 Richtung Voss. Dabei kommt man an dem recht bekannten Tvindefoss (Foss = Wasserfall) vorbei. Der ist zwar landschaftlich sehr schön und auf jeden Fall einen Stop wert, aber die Horden von Touristen, die dort mit Bussen angekarrt werden, sind schon echt nervig. Am schlimmsten stelle ich mir das für die Bewohner des direkt vor dem Wasserfall liegenden Campingplatzes vor, bei denen die Touristenmassen praktisch durchs Zelt laufen.

Auf unserer Flucht vor den Touristen ließen wir die Ortschaft Voss rechts liegen, soll heißen wir bogen direkt an der Ortsgrenze auf die S13 Richtung Granvin ab. Um Osa, das Ziel unseres nächsten Abstechers zu erreichen, wollten wir eigentlich kurz vor Granvin links ins Espelandsdlen (S572) einbiegen. Dass wir den Abzweig verpasst hatten merkten wir allerdings erst, als wir plötzlich vor dem Portal des gut sechs Kilometer langen Vallviktunnelen standen. Egal, auch dieser Weg führt nach Ulvik, wo wir dann der Beschilderung nach Osa folgten.

Das geteerte Sträßchen führte uns zunächst am Ulvikpollen und dann am Osafjorden vorbei, bevor wir die winzige Ortschaft Osa erreichten. Für ein klein wenig Adrenalin im Blut sorgte ein unbeleuchteter Tunnel auf der Strecke. In Osa waren wir zunächst einmal erstaunt, eine Gallerie mit Skulpturen und Bildern zu finden, denn eigentlich suchten wir etwas anderes. Unser Ziel war eine Mautstraße von der ich im Internet gelesen hatte und die über eine spektakuläre Trasse hinauf aufs Osafjell führt.

Rundanet

   Hier ist nicht nur mit der RT der Weg zu Ende!

Und wir mussten tatsächlich nicht lange suchen und freuten uns sehr, dass die folgenden 12 ungeteerten Kilometer für Motorradfahrer mautfrei waren. Sie führen in unzähligen steilen und engen Spitzkehren durch eine alpin anmutende Bergwelt hinauf zu zwei Stauseen (Runda- und Langvatnet), die in einer unwirklichen, mondähnlichen Landschaft eingebettet sind. Da wir hier wieder gut 1000 Meter hoch waren, wunderten uns weder die auf den Bergen aufliegenden Wolken noch das große Schneefeld, das unseren Vorwärtsdrang stoppte.

Am Fuß der Staumauer des Rundavatnet läuft die Straße sehr steil kerzengerade einen Hang hinauf – und genau hier war der Untergrund plötzlich relativ lose und tief. Bergauf kein Problem, etwas mehr Gas und die vollbeladene RT zieht einen im zweiten Gang, wenn auch mit leicht durchdrehendem Hinterrad und ein paar weggeschleuderten Steinen, aus dem Schlamassel heraus. Aber bei der Abfahrt hatte ich, zum ersten mal auf der gesamten Tour, ein etwas mulmiges Gefühl im Magen. Durch das starke Gefälle und das hohe Gewicht schiebt die RT tierisch und zeigt das (zum Glück) vom Sicherheitstraining bekannte „Kiesbettverhalten“. Die Umsetzung des erlernten Musterverhaltens, nämlich den Blick „weit“ und den Lenker locker halten und die Maschine sich ihre eigene Spur suchen lassen, fällt schwer, weil es rechts gut 100 Meter fast senkrecht den Berg runter geht. Zum Glück ging alles gut und ich versprach mir selbst, auch beim nächsten Sicherheitstraining mit der RT wieder ins Kiesbett zu gehen – auch wenn mich Jutta und alle anderen Teilnehmer für bekloppt halten.

Zurück in Ulvik bogen wir rechts auf die S572 ab, die uns durch ihre schöne Streckenführung begeisterte, aber dringend renovierungsbedürftig ist. Leider werden, nachdem der Vallviktunnelen fertiggestellt wurde und eine wesentlich kürzere und schnellere Verbindung zwischen Granvin und Ulvik herstellt, offensichtlich die Frostschäden nicht mehr bzw. nur noch notdürftig repariert und so ist der Abschnitt gerade von Motorradfahrern mit Vorsicht zu genießen.

Inzwischen war es schon recht spät und wir, durch die abenteuerlichen Abstecher, ziemlich geschafft. So ließen wir die letzten gut 40 Kilometer, die uns von Granvin aus auf der herrlich kurvigen S7 entlang des Samalafjorden (ein Teil des Hardangerfjorden) nach Øystese führten, gemächlich angehen. Im Hotel angekommen wärmten wir uns, der Tag war wirklich recht kalt gewesen, zunächst in der Sauna auf und planschten ein bisschen im hoteleigenen Schwimmbad herum. Danach genossen wir das ausgezeichnete und sehr reichhaltige skandinavische Buffet, das nicht nur jede Menge Fisch und Krustentieren, sondern auch mehreren Sorten Braten bereit hielt. Unser Abendspaziergang fiel leider recht kurz aus, da uns die Möglichkeiten dazu in Øystese recht begrenzt erscheinen. Aber es gibt ja auch noch andere Dinge, die man am Abend so machen kann ... Lesen z.B. ;)

Øystese – Bergen - Øystese (18.07.2002)

Nachdem wir unsere Stadtbesichtigung von Alesund eigentlich nicht so besonders toll fanden, hegte vor allem Jutta Zweifel daran, ob sich ein Besuch von Bergen überhaupt lohnen würde. Trotzdem starteten wir um 09:00 Uhr und fuhren zunächst entlang des Samalafjorden bis Norheimsund, von wo aus sich die S7 durchs Steinsdalen auf den Kvamskogen hinaufschlängelt. Die Strecke mit vielen Kurven, Kehren und Tunneln machte so richtig Spaß!

Bei Erreichen der E16 folgten wir dieser Richtung Bergen. Kurz bevor die E16 bei Eidsvåg vierspurig wird, suchten wir uns ein ruhiges Plätzchen um die Motorradklamotten gegen Jeans und die Stiefel gegen Halbschuhe zu tauschen. Freudig überrascht waren wir, als wir etwas später an der Mautstation als „Bergen-Obolus“ nur 10 NOK berappen mussten – nach unseren bisherigen Erfahrungen hätten wir uns das teurer vorgestellt. Um nicht für fast vier Kilometer im Fløyfjellstunnelen zu verschwinden, bogen wir direkt nach der Mautstelle rechts in die „Sandviksveien“ ein und hielten uns dann immer am Hafen entlang.

Hafen_Bergen

   Kreuzfahrtschiffe am Skoltegrunnskaien

Schon von weitem konnten wir die riesigen Kreuzfahrtschiffe am Skoltegrunnskaien sehen. Direkt beim Kai machte die Straße einen Linksknick und einen Augenblick später standen wir vor den berühmten Holzhäusern des alten Hanseviertels von Bergen. Von diesem überwältigenden Anblick gefesselt, nahm ich einen möglichen kostenlosen Abstellplatz erst wahr, als wir schon daran vorbei waren. Da die in diesem Bereich „Bryggen“ heißende Straße vierspurig ist und recht dichter Verkehr herrschte, war an ein Wendemanöver nicht zu denken. Also fuhren wir erst mal weiter und lernten auf dem Rückweg zu unserem Parkplatz schon mal fast jede der für den Fahrzeugverkehr freigegebenen Straßen im Innenstadtbereich kennen.

Zwanzig Minuten später stellen wir die RT unter einem Baum ganz am Anfang der „Nikolaikirkeallmenningen“ ab. Und zwar direkt dort, wo diese auf die „Bryggen“ mündet. Hier stand schon ein Motorrad und wir hofften, dass wir hier vor einem Strafzettel sicher waren. Nachdem auch noch die Motorradjacken in den Koffern verstaut und die Helme diebstahlsicher an der RT befestigt waren, begannen wir sofort mit unserer Entdeckungstour.

Bergen_Hanse1

   Eine Gasse im alten deutschen Hanseviertel

 

Bergen_Hanse2

   Die Frontansicht des alten Hanseviertels

Die führte uns zunächst in das schon angesprochene alte deutsche Hanseviertel Tyske Brygge (Deutsche Brücke). Hier hat uns besonders fasziniert, dass die aus dem Mittelalter stammenden Holzhäuser nicht nur für Souvenirläden, sondern auch für Büros und Lagerräume genutzt werden. Die von der UNESCO in die Liste der erhaltenswürdigen Baudenkmäler aufgenommene Gebäudegruppe wird ständig restauriert, wobei man zumindest in den letzten Jahren darauf Wert legte, dies mit alten überlieferten Arbeitsmethoden und Werkzeugen zu tun. Und obwohl wegen der natürlich immer vorhandenen Brandgefahr überall Sprinkleranlagen installiert sind, fühlten wir uns bei unserem ausgiebigen Rundgang über schiefe Treppen und knarrende Galerien in eine längst vergangene Zeit zurückversetzt. Dabei fanden wir, trotz der vielen hier herumirrenden Touristen, immer wieder ruhige Ecken, in denen man die besondere Ausstrahlung dieses Ortes genießen konnte.

Inzwischen war es richtig sonnig und warm geworden, so dass wir erst mal weitere Kleidungsstücke beim Moped deponierten. Bei der RT angekommen freuten wir uns, dass inzwischen insgesamt vier Motorräder, darunter eine Goldwing, unter dem Baum einen eigenen gebührenfreien Mopedparkplatz aufgemacht hatten. Da wir bisher weit und breit keine Ordnungshüter entdecken konnten, machten wir uns auf zur alten Festung Bergenhus.

Rosenkrantztarnet

Der berühmte und vielbesuchte Tvinnefoss

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Hier stehen neben dem Rosenkrantztårnet, einem 1560 im Renaissancestil erbauten Turm, auch die Håkonshallen, in denen nicht nur in alter Zeit Könige gekrönt wurden, sondern heute auch Paare den Bund fürs Leben eingehen. Zumindest letzteres konnten wir live miterleben. Beide Sehenswürdigkeiten können, natürlich gegen einen entsprechenden Obolus, besichtigt werden. Allerdings drängten sich hier wieder so viele Besuchergruppen zusammen, dass wir uns lieber einen ausgiebigen Spaziergang durch den Park gönnten und dabei die schöne Aussicht über das Hafenbecken Vågen und die gesamte Stadt genossen. Nach einem kurzen Abstecher zur Mariakirken (Marienkirche), die als ältestes Bauwerk der Stadt gilt, statteten wir auf dem Weg zum Markt unserer RT mal wieder einen Kontrollbesuch ab. Da alles okay war, setzten wir unsere Stadtbesichtigung beruhigt fort.

Bergen_Fischmarkt

   Krustentiere auf dem Fischmarkt am Torget

Unser nächstes Ziel war der Fischmarkt am Torget, dem Marktplatz, der an die Stirnseite des Vågen grenzt. Hier erstaunten uns zwei Dinge. Zunächst die verschiedenen Fisch- und Schalentiersorten, die hier feilgeboten werden. Von der Nordseekrabbe über die Riesengarnele bis zum Hummer und vom Schwertfisch über den Seeteufel bis zum obligatorischen Lachs findet sich hier alles, was des Fischliebhabers Herz begehrt.

Genauso erstaunlich ist, dass dieses Angebot nicht nur in jeder erdenklichen europäischen Sprache angeboten wird, sondern auch auf Russisch, Chinesisch und natürlich Japanisch. Einfach gesagt, es herrscht ein babylonisches Sprachgewirr. Natürlich (leider ) lässt man sich diesen Dienst am Kunden bezahlen, die Preise sind ziemlich happig. Und so sehnten wir uns plötzlich nach unserem nur norwegisch sprechenden Fischer in Alesund zurück, bei dem es die Garnelen für 20 NOK pro Liter gab.

Inzwischen hatten wir Plattfüße und waren von der Latscherei ziemlich erledigt. Was käme da besser. als eine Fahrt mit der Fløibanen, einer Kabelbahn, die auf Bergens Hausberg, den Fløyen, führt. Als wir an der Talstation ankamen, standen dort eine gut 50 Meter lange, mehrreihige Menschenschlange an und wartete auf Einlass. Da wir uns das nicht antun wollten, besuchten wir stattdessen die Domkirche und die Korskirken, beides „offene“ Kirchen, die im Gegensatz zu fast allen Kirchen, die wir bisher besucht hatten, keinen Eintritt kosten. So ruhten wir die müden Füße statt in der Kabelbahn auf einer Kirchenbank aus und genossen die Ruhe, die hier herrschte. Danach ging es durch die lebhafte Fußgängerzone zurück zum Torget.

Bergen

Jugendstilhäuser in der Bergener Fußgängerzone

Nachdem wir noch mal die Krustentiere auf dem Torget bewundert und nach einem eventuell mitnehmenswerten Souvenir gesucht hatten, machten wir uns auf den „Heimweg“. Schließlich standen uns noch mehr als 30 Kilometer bis zur Fähre Hattvik – Fusa bevor, und dann noch mal 75 Kilometer von Fusa bis Øystese. Also nichts wie zum Moped … und siehe da, die RT stand völlig unbehelligt und ohne Strafzettel unter ihrem Baum. „Wildes“ Parken von Motorrädern scheint, zumindest in Bergen, kein allzu großes Problem zu sein.

So gegen 15:20 starteten wir und waren uns eigentlich sicher, dass wir die 30 Kilometer bis zur Fähre, die um 16:10 abfahren sollte, in 50 Minuten problemlos hinter uns bringen würden. Zwar haben wir die Fähre erreicht, aber problemlos würde ich die Fahrt nicht nennen. Die Strecke war die erste und eigentlich einzige in Norwegen, auf der wir richtig mit Verkehr zu kämpfen hatten. Die Ausfahrt aus der Stadt ist zwar passabel ausgeschildert, die Verkehrsführung dafür katastrophal. Auf der E39 Richtung Süden angekommen, stellte sich diese als eine einzige, ständig auf 50 und 60 km/h begrenzte Ortsdurchfahrt heraus. Und während wir anderswo in Norwegen von Autofahrern fast zum Überholen genötigt wurden, trafen wir hier auf die gleichen genervten und sturen Großstädter wie man sie auch in Deutschlands Ballungszentren im Feierabendverkehr findet.

Die Hektik war aber schon kurz nach dem Ablegen der Fähre in Hattvik fast vergessen, und spätestens nachdem wir nur knappe 100 Meter hinter dem Fähranleger Fusa eine herrliche Badebucht entdeckten, konnte von Stress keine Rede mehr sein. Na ja, Jutta hatte noch ein wenig Stress als sie, bis zu den Knien im Wasser stehend, feststellte, dass sich hier nicht nur norwegische Kinder, sondern auch eine Unmenge kleine Krebse im kühlen Nass tummelten.

Nachdem wir uns etwas abgekühlt und die Motorradklamotten wieder angezogen hatten, ging es zunächst auf der S552 weiter bis Eikelandsosen. Hier wechselten wir rechts auf die S48 nach Mundheim, wo wir links auf die S49 abbogen, die uns entlang des Hissfjorden und des Ytre Samlafjorden wieder nach Nordheimsund bringen sollte. Sowohl die S552 als auch die S48 und S49 zeichnen sich wieder einmal durch tolle Kurven und herrliche Ausblicke aus. Zudem herrschte kaum Verkehr, so dass wir die Fahrt so richtig genießen konnten.

Hissfjorden

Panoramablick in den Hissfjorden bei Dysvik – in Vordergrund eine Lachsfarm

Øystese – Geilo (19.07.2002)

Am Morgen strahlte über Øystese und dem Samlafjorden die Sonne vom blauen Himmel und verhieß uns wieder einmal einen herrlichen Tag. Leider wurde diese Aussicht durch eine tiefschwarze, bedrohliche Wolkenwand beeinträchtigt, die offensichtlich auf der gegenüberliegenden Fjordseite in den Bergen festhing. Und mittendrin lagt das erste Ziel unserer heutigen Tour, das Folgefonna-Sommerskigebiet. Nicht dass wir hätten Skifahren wollen, aber alleine die Aussicht, auf einer Strecke von nur 13 Kilometern von Meereshöhe auf über 1200 Meter zu fahren, hätte uns gereizt.

Aber angesichts der tiefschwarzen Wolke entschlossen wir uns, nach der Fährüberfahrt von Tyrvikbygd nach Jondal den Abstecher sein zu lassen und gleich der S550 Richtung Utne zu folgen. Dabei durchfuhren wir jede Menge Obstplantagen, die sich zwischen den Fjord auf der einen und die steilen Berghänge auf der anderen Seite quetschen. Da bleibt für die sich häufig mitten durch die Bauernhöfe schlängelnde Straße nur sehr wenig Platz. Zum Glück ist das Verkehrsaufkommen verschwindend gering, so dass man problemlos mitten auf der Straße einen Fotostop einlegen kann.

S550_102

S550_202

Die S550 zwischen Jondal und Utne ist nur an wenigen Stellen breiter als eine Fahrspur ...

  ... und führt durch eine Gegend, die sich zurecht
  der „Obstgarten Norwegens“ nennt

Leider ändert sich der Charakter der Stecke ab Utne schlagartig. Die Straße ist breit ausgebaut und für unseren Geschmack viel zu gerade. Zwar gibt es immer noch Kirsch- und Apfelplantagen, aber hier ist alles etwas weitläufiger und nicht so anheimelnd. Wenn dann am Ende des Sørfjorden Odda in Sicht kommt, die die Idylle komplett dahin. Lange bevor man in den eigentlichen Ort kommt, wird die Aussicht schon durch hohe Schornsteine und hässliche Industrieanlagen geprägt. Mag sein, dass der erste Eindruck täuscht und auch Odda dem Touristen etwas zu bieten hat. Wir haben dieser Industriestadt aber keine zweite Chance gegeben und sind direkt auf die S13 abgebogen, die uns, entlang des Ostufers des Sørfjorden, wieder nach gen Norden bringen sollte.

Leider ist auch von dieser Straße nicht viel schönes zu berichten. Direkt nach Odda wird an der Strecke heftig gebaut, wobei die ganzen schönen Kurven entlang des Fjords durch Tunnel abgekürzt werden. Zudem herrscht auf dieser Fjordseite wesentlich mehr Verkehr als auf der S550. Okay, hie und da eröffnen sich auch von dieser Straße aus schöne Blicke auf die Landschaft, aber alles in allem waren Jutta und ich von dem Abstecher heftig enttäuscht. Sollten wir noch mal in dieser Gegend unterwegs sein, werden wir die Fähre Utne – Kinsarvik nehmen und uns den Abstecher nach Odda schenken.

Zwischen Kinsarvik und Eidjford ist die S13 / S7 zwar teilweise recht anspruchsvoll und durchaus schön, der relativ dichte Verkehr lässt aber keinen rechten Genuss aufkommen. Um diesem wenigstens zeitweilig zu entgehen, bogen wir in Eidfjord links ins Simadalen ab, an dessen Ende wir eigentlich den Skykkedalsfossen besuchen wollen. Weil für diese Sehenswürdigkeit keinerlei Beschilderung zu finden war, landeten wir zunächst mal auf dem Parkplatz vor dem größten Wasserkraftwerk Norwegens. Etwas später sahen wir den Abzweig nach Kjeåsen, einem hoch über dem Fjord gelegenen Hof, der über eine sehr steile und schmale Straße, die nur wechselweise im Einbahnstraßenverkehr befahren werden darf, zu erreichen ist.

Simadalsfjorden

„Badeplatz“ am Simadalsfjorden

Kurze Zeit später standen wir am Ende der Straße auf einem Parkplatz, von dem aus ohne jede Ausschilderung ein Trampelpfad weitergeht. Wie wir erst später erfuhren, hätten wir von diesem Parkplatz aus den Wasserfall innerhalb einer Viertelstunde per Pedes erreicht. Wir hätten sogar direkt bis hinfahren können, wenn wir kurz vor dem Parkplatz links in den Schotterweg eingebogen wären. Aber nach dem missratenen Odda-Abstecher waren wir irgendwie noch ziemlich genervt und hatten eigentlich keine Lust auf weitere Experimente. Aus dem Grunde fuhren wir zurück an den Fjord und legten an einem herrlich ruhigen Plätzchen eine lange, geruhsame Mittagspause ein.

Hjolmostraße

   Ein paar der Serpentinen der Hjølmostraße

 

 

Ausgeruht und gestärkt waren wir auch wieder bereit für Abenteuer, weshalb wir die S7, der wir von Eidfjord Richtung Osten folgten, am östlichen Ende des Eidfjord- vatnet wieder verließen und rechts ins Hjølmodalen abbogen. Das schmale Sträßchen führt zunächst zirka vier Kilometer leicht bergan, bevor plötzlich ein Schild alle Wohnmobilfahrer vor der Weiterfahrt warnt.

Wie wir später feststellten, lassen sich einige Leute trotzdem nicht davon abhalten, die sehr steilen und engen Spitzkehren auch mit Fahrzeugen, die größer als ein VW-Bus sind, zu befahren. Und das, obwohl praktisch keine Ausweichstellen vorhanden sind. Für Motorräder stellt die Strecke dagegen kein wirkliches Problem dar, obwohl der Untergrund teilweise sehr locker und an manchen Stellen waschbrettartig ausgewaschen ist. Lohnenswert ist der zirka acht Kilometer lange Abstecher nicht nur wegen der herrlichen Aussichten auf den Vedalsfossen, sondern auch weil er mitten im Nationalpark Hardangervidda endet. Von hier aus lassen sich tolle Wanderungen über dieses typische Hochgebirgsplateau unternehmen, aber dazu waren wir natürlich nicht angezogen und ausgerüstet. Zudem läuft uns schon wieder einmal die Zeit davon, weswegen wir nach nur kurzem Päuschen um- und zur S7 zurückkehrten.

Voringsfossen

Der Vøringsfossen vom Hotel Fossli aus

Leider ist die alte S7 durchs Mabødalen hinauf zum Vøringsfossen Fußgängern, Radfahrern und einem Ausflugsbähnchen vorbehalten. Die neue S7 ist für unseren Geschmack mal wieder viel zu gut ausgebaut und verläuft vor allem zu lange in Tunneln. Erst im oberen Mabødalen, wo sich die Straße in mehreren Kehren den Berg hinaufschlängelt, kommt wieder etwas Fahrspaß auf.

Den östlichen Abschluss dem Mabødalen bildet der Vøringsfossen. Wie wir leider feststellen mussten, kann man den ersten Hinweis auf diese Sehenswürdigkeit, der sich direkt an der S7 befindet, getrost vergessen. Von dieser Seite aus kommt man nirgends vernünftig an den Wasserfall heran, sondern kann nur dessen beeindruckende Geräuschkulisse bewundern. Um das Naturschauspiel auch zu sehen, muss man zirka einen Kilometer weiter bis zum Hotel Fossli fahren (das Parken ist für Motorradfahrer kostenlos). Von dessen Terrasse aus hat man einen herrlichen Blick auf den Vossen und auch hinunter ins Mabødalen.

Bei einem Blick auf die Uhr stellten wir fest, dass wir uns wieder mal total mit der Zeit verkalkuliert hatten. So legten wir die 70 Kilometer über die Hardangervidda auf der S7 bis Geilo ziemlich flott zurück.

Vidda

   Blick über die Vidda zum Hardangerjølen

 

 

 

 

Trotzdem waren wir immer wieder von dieser beeindruckenden Gebirgslandschaft fasziniert und hielten mehrfach an, um die Ausblicke zu genießen und ein paar Fotos zu machen. Diese können allerdings kaum die Faszination einfangen, die einem diese unwirtlichen Hochebene mit ihren Seen, Mooren, Schneefeldern und Gipfeln abringt. Verstärkt wird der Eindruck durch das ständig wechselnde Licht, das die Sonne durch die schnell dahinziehenden, lockeren Wolken auf diese Kulisse werfen.

Geilo ist eine größere Gemeinde an der Bahnstrecke zwischen Oslo und Bergen, die vor allem vom Wintersport und Tourismus lebt. So ist unser Hotel, das Bardøla Høysfjellshotell, nur eines unter vielen – allerdings eines von den besten vor Ort. Und obwohl es von außen wieder eines wäre, das wir normalerweise schon wegen seiner Größe links liegen gelassen hätten, ist es im Inneren sehr nett und stilvoll eingerichtet. Zum Hotel gehört auch noch ein „Hyttegrenda“, in dem einige wirklich erstklassig ausgestatteten Ferienhäuser zwischen den Hütten eines alten Bauernhofes stehen.

Hotel_Bardola

Vorratshütte beim Hotel Bardøla (um 22 Uhr ohne Zusatzbeleuchtung aufgenommen!)

Vor einer der Luxushütten stand eine Honda ST1100, die ein pfälzisches, und damit für uns heimatliches, Kennzeichen trug. Das führte dazu, dass wir abends kurz nach 22 Uhr mit Dolores und Bernhard ins Gespräch kamen. Die beiden hatten die 17tägige Hüttentour bei StenaLine gebucht und waren auch schon an der letzten Station ihrer Reise angelangt. Ansonsten hätten wir sicher noch eine der sechs Flaschen Wein genießen können, die Bernhard im Topcase seiner Pan European mit nach Norwegen gebracht hatte. Aber auch ohne den alkoholischen Rebensaft unterhielten wir uns angeregt bis um ein Uhr nachts.

Eine der wichtigsten Erkenntnisse aus dem Gespräch ist, dass die an und für sich preiswertere Hüttentour (17 Tage für zwei Personen 1564 Euro) dadurch, dass man für alle Mahlzeiten selbst sorgen und bezahlen muss, am Ende wohl teurer kommt, als die Hotelrundreise inklusive Halbpension. Neben den relativ hohen Kosten bedeutet es vor allem, dass man sich vor Ort jeweils erst einmal mit Lebensmitteln eindecken muss, was vor allem recht zeitaufwendig ist. Und kochen muss man (oder meist wohl Frau) dann auch noch. Natürlich kann man alternativ dazu auch Essen gehen, was dann aber erst recht ins Geld geht. Ein Beispiel dafür sollten Jutta und ich am nächsten Tag in Oslo erleben, wo StenaLine keine Halbpension für uns gebucht hatte.

Geilo – Oslo (20.07.2002)

Obwohl es schon fast schon wieder hell wurde, als wir uns von unseren neuen Bekannten trennten, starteten wir unseren Tag wie immer recht pünktlich. Zwar hatten wir bis Oslo nur etwas mehr als 250 Kilometer vor uns, aber schließlich wollten wir in der norwegischen Hauptstadt nicht nur übernachten sondern auch etwas von ihr sehen.

Stabkirche_Torpo

Der Vøringsfossen vom Hotel Fossli aus

So folgten wir der S7 Richtung Nordosten nach Hagafoss und weiter nach Gol. In Torpo besuchten wir die dortige Stabkirche, ohne zu wissen, dass es die letzte sein würde, die wir während dieses Urlaubs zu Gesicht bekommen würden. Schließlich wollten wir noch die Stabkirche in Gol besuchen, die nicht nur eine der ältesten sondern auch eine der schönsten überhaupt sein soll. Hier haben es aber die Norweger aus meiner Sicht mit der Kommerzialisierung wesentlich zu weit getrieben. Die Kirche ist weiträumig eingezäunt und man kommt nur gegen einen Obolus von 60 NOK (8,51 Euro) pro Person überhaupt an das Gotteshaus heran. Der Zugang erfolgt noch dazu über einen mit den typischen Touristensouvenirs angefüllten Kiosk. Das hat uns so abgestoßen, dass wir von einem Besuch dieser Kirche abgesehen haben.

Von Gol aus wollten wir eigentlich der S7 Richtung Süden folgen. Da aber das Stück von Hagafoss bis Gol zwar landschaftlich schön, fahrerisch aber extrem einschläfernd war, entschlossen wir uns kurzerhand zu einer Änderung der Route und bogen auf die S51 Richtung Leira ab. Nachdem sich die Straße zunächst über mehrere Serpentinen auf die Hochebene hinaufgeschraubt hat, verläuft sie kurvenreich durch die schöne Landschaft des Golsfjellet, so dass die knapp 40 Kilometer bis zum Erreichen der E16 viel zu schnell vergingen. Der E16 folgten wir nur wenige Kilometer und bogen dann auf die S33 ab, die uns vorbei an Dokka bis nach Svingvoll führte, wo wir auf die S34 wechselten. Diese brachte uns entlang des Randsfjorden bis nach Jaren. Hier erreichten wir die S4, die uns direkt nach Oslo brachte.

Aus welchem Grund die etwas muffig aus ihrem Mauthäuschen schauende Dame von uns kein Geld für die Einfahrt nach Oslo wollte, ist uns wegen mangelnder Sprachkenntnisse verborgen geblieben. Allerdings hatten wir nicht allzu lange Zeit, uns darüber zu wundern, schließlich mussten wir unser Hotel finden, was sich als ziemlich schwer herausstellte. Erst nach einer Ehrenrunde über den zweiten und dritten Ring und unter freundlicher Mithilfe eines Fahrlehrers, den wir nach dem Weg fragten, erreichten wird das Rica Halsfyr Hotel. Leider stellte es sich als ein direkt an der E6 gelegener Betonklotz heraus. Auch das an und für sich recht hübsche Zimmer konnte uns nicht über die bescheidene Lage dieser Bussinesherberge hinwegtrösten.

Stortinget

Die Nationalversammlung (Stortinget) in Oslo

Oslo_Hafen

Zwei große Fähren im Hafen von Oslo

Oslo_Segelschiffe

Segelschiffe vor der Festungsanlage in Oslo

Zum Glück war wenigstens die U-Bahnanbindung einigermaßen passabel, so dass wir nach zehn Geh- und 15 Fahrminuten für 22 NOK (3,12 Euro) pro Person mitten in der Fußgängerzone landeten. Hier zeigte sich Oslo von seiner multikulturellen Seite. An jeder Straßenecke wurde Musik gemacht, wobei wir von südamerikanischen Indioklängen bis zum Rap so ziemlich alles zu hören bekamen. Dazwischen tummelten sich Pantomimen, Jongleure, Portraitmaler und sonstige Künstler. Alles zusammen ein buntes, lautes aber sehr anregendes Gemisch. Dagegen ist der Platz vor dem Parlamentsgebäude, trotz der vielen Leute, die hier den Rasen belagern und sich vom Treiben in der Fußgängerzone erholen, schon fast ein Paradies der Ruhe.

Die vielen Restaurants in der Innenstadt lockten schon zum Abendessen, aber Jutta wollte unbedingt vorher noch zum Hafen spazieren. Obwohl ich von der Idee eigentlich nicht so begeistert war, ließ ich mich breitschlagen und muss sagen, hätte ich mich durchgesetzt, hätten wir etwas verpasst. Und zwar nicht nur die großen Fährschiffe, die sich durch die Enge Hafeneinfahrt quetschen müssen, sondern auch die herrliche alte Festungsanlage direkt am Hafen. Und natürlich auch das bunte Treiben, das auch hier überall herrscht. So entschlossen wir uns, nachdem wir die Promenade mehrfach hin und her gelaufen waren, direkt hier am Hafen zu Abend zu Essen und dabei das Ambiente und die Livemusik zu genießen. Dabei war es gar nicht so einfach, einen freien Platz zu ergattern. Schließlich fanden wir etwas in einer Pizzeria und bestellten Spaghetti mit Krabben, Penne mit Meeresfrüchten sowie jeweils ein Gläschen weißen Hauswein. Das Essen war sehr gut und reichlich, allerdings war der Wein mehr als sparsam eingeschenkt.

Selbstverständlich überraschte uns die Höhe der Rechnung nicht, aber erwähnenswert ist sie durchaus. Für dieses, sicher nicht allzu exklusive Abendessen, haben wir 418 NOK (knapp 60 Euro) bezahlt. Sicher könnte man jetzt argumentieren, dass man für den Hafenblick und den Hauptstadtflair etwas mehr hat berappen müssen als irgendwo im Inland, aber das täuscht. Wir hatten überall, wo wir derer habhaft werden konnten, die Speisekarten studiert und konnten in Oslo feststellen, dass kein großer Unterschied zwischen Provinz und Weltstadt zu verzeichnen ist.

Aber selbst von solchen Preisen ließen wir uns den Abend und schon gar nicht den Urlaub vergrämen. Vielmehr spazierten wir wieder zurück in die Innenstadt, drehten noch eine Runde durch die Fußgängerzone und hörten bzw. sahen uns noch die eine oder andere Darbietung an. Mit ziemlich platt gelatschten Füßen stiegen wir dann wieder in die Unterwelt hinab und fuhren mit der U-Bahn zurück zu unserem Hotel. Und obwohl wir an der richtigen Station ausstiegen, hätten wir unsere Unterkunft fast nicht wieder gefunden. Die Ausgänge der U-Bahnstation sahen alle gleich aus und so dauerte der Rückweg von der Station zum Hotel mehr als 30 Minuten.

So richtig geärgert haben wir uns dann aber doch noch mal. Und zwar als wir feststellten, dass, wenn wir das Fenster unseres Zimmers offen hatten, eine Akustik herrschte als würden wir mitten auf dem Frankfurter Kreuz zelten. Das Rica Halsfyr Hotel war definitiv das schlechteste Hotel auf unserer ganzen Reise.

Oslo – Göteborg (21.07.2002)

Am nächsten Morgen war der Himmel grau und trist und es regnete. Zwar nicht aus Kübeln, aber auf jeden Fall heftig genug, um unseren Plan, auch bei der Rückfahrt wieder die E6 zu meiden, zu kippen. Also starteten wir, nach unserem letzten, ausgiebigen norwegischen Frühstücksbuffet, auf der E6 Richtung Süden.

Erstaunt hat uns dabei, dass schon kurz nach Oslo die Europastraße häufig wieder „nur“ drei-, teilweise sogar zweispurig ist. Da können wir uns schon vorstellen, dass bei starkem Verkehr an den Stellen, wo zwei Richtungsfahrbahnen zu einer zusammengeführt werden, Staus auftreten. Was wir für absolut unmöglich hielten war, dass die hier überall aufgestellten Schilder „Vorsicht Elche“ ihre Berechtigung haben. Hier, mitten zwischen menschlichen Siedlungen, Industriegebieten und landwirtschaftlich genutzten Flächen hätten wir auf keinen Fall mehr einen Elch vermutet und haben deswegen gefrotzelt, dass die „Elch“-Schilder sicher nur wegen der Touristen aufgestellt werden.

Elche

Zwei Elche, direkt an der E6

Auf einem dreispurigen Teilstück, kurz vor der schwedischen Grenze veranlasste mich Juttas lauter Ruf „DA STEHT EINER!!!“ eine Vollbremsung hinzulegen. Natürlich hatte ich bei dem Ausspruch an einen Polizisten oder ein Hindernis auf der Straße gedacht, doch weit gefehlt. Jutta hatte links der Schnellstraße einen Elch im Feld stehen sehen. Bis ich auf der dreispurigen E6 umgedreht, angehalten und die Kamera ausgepackt hatte, war sogar noch ein zweiter dazugekommen. Und so kamen wir, fast am Ende unserer Reise, doch noch zu „unseren“ Elchen.

Kurz vor unserer Elchbegegnung hatte es auch wieder aufgehört zu regnen und die Straße war abgetrocknet. Damit war der Grund dafür, die E6 zu fahren, weggefallen und so verließen wir sie bei Tanumshede, um an die „Schwedische Riviera“ zu fahren. Bei der so genannten Gegend handelt es sich um die Schärenlandschaft zwischen der norwegischen Grenze und Göteborg. Zunächst folgten wir der S163 durch Grebbestad nach Fjällbacka, beides sehr hübsche, beschauliche Orte, die aber durch den doch recht heftig florierenden Tourismus stark geprägt sind. Wassersport in jeder Art und Ausprägung wird hier betrieben, und zwar so intensiv, dass man bei dem regen Treiben auf dem Wasser unwillkürlich an den Straßenverkehr in einer Großstadt erinnert wird.

Schären_1

Schären_2

Fjellbacka im schwedischen Schärengebiet

    Die Fähre in Hamburgsund.

 

 

 

 

 

 

 

 

Am deutlichsten wird das in der kleinen Ortschaft Hamburgsund, wo der rege Sportbootverkehr jedesmal dann zum Stillstand kommt, wenn die Fähre ihre nur wenige hundert Meter lange Reise zu einer vorgelagerten Insel antritt.

Kurz nach Hamburgsund bogen wir rechts auf die S174 ab und „umfuhren“ die Halbinsel Sotenäs, wobei wir bei der Ortschaft Hunnebostrand eine ausgiebige Mittagspause einlegten und uns ein wenig in der Sonne aalten.

Danach folgten wir der S162 bis zu dem Städtchen Lysekil, dem man weder seine 15000 Anwohner noch seinen Status als Hafen- und Raffineriestadt ansieht. Nach einer kurzen Stadtrundfahrt ging es mit der kostenlosen aber absolut überfüllten Fähre nach Bokenäs. Von hier aus folgten wir der S160, bis sie bei Jörlanda auf die E6 trifft. Diese brachte uns dann recht flott nach Göteborg und an den StenaLine-Pier, wo unsere Fähre schon wartete.

Die Fährüberfahrt Göteborg – Kiel (21.07.2002)

Nachdem wir die RT sicher verstaut und wieder mit Stricken gesichert hatten, bezogen wir unsere Kabine. Auch diesmal hatten wir eine recht geräumige Außenkabine, allerdings ein Deck tiefer als bei der Hinfahrt.

Sehr ärgerlich war, dass wir uns bei der Rückfahrt mit unseren vorgebuchten und –gezahlten Karten für das Abendbuffet in der gleichen Reihe anstellen mussten wie diejenigen, die erst direkt an Bord gezahlt haben. Okay, 20 Minuten Wartezeit bringt einen nicht um – aber wenn ich eh warten muss, brauche ich auch nicht im Voraus zu buchen / bezahlen. Unserer Meinung nach lag das aber an dem diensthabenden Oberkellner, der alles andere als eine gute Organisation seines Restaurants auf die Beine gestellt hat.

Da über Norddeutschland und der Ostsee ein ziemlich heftiges Tiefdruckgebiet lag, verlief die Fahrt nicht ganz so ruhig wie die Hinfahrt. Zum Glück blieben wir aber von der Seekrankheit verschont. Um nicht wieder in den Frühstücksstau zu geraten, standen wir etwas früher auf und packten unsere Sachen erst nach dem Buffet. Pünktlich um 09:00 Uhr legten wir in Kiel an und wurden von heftigen Regenschauern und böigem Wind empfangen.

Rückreise nach Ellerbach (22.-24.07.2002)

Trotzdem blieben wir unserem Vorsatz treu, auf der Heimreise keine Autobahn zu benutzen. Statt dessen ging es über die B76 bis Lübeck, wo wir mit der Fähre nach Priwall übersetzten. Kaum in Mecklenburg-Vorpommern angekommen, gerieten wir in ein heftiges Gewitter und mussten uns unterstellen, da weiterfahren einfach zu gefährlich gewesen wäre.

Wernigerode

   Der Marktplatz von Wernigerode

Zu diesem Zeitpunkt wären wir fast der Versuchung erlegen, auf kürzestem Wege zur A7 und dann Richtung Süden zu fahren. Aber nach einem Anruf bei unserem ersten Zielhotel und der Auskunft, dass dort schönes Wetter herrschen würde, bissen wir die Zähne zusammen. Nach Überquerung der Elbe wurde es auch zusehends besser und als wir gegen fünf Uhr in Wernigerode am Rande des Harz ankamen, schien tatsächlich die Sonne durch nur dünne Schleierwolken. Nach einem ausgiebigen Spaziergang durch die Stadt und einem opulenten Abendessen in der, zu unserem Hotel „Schlossberg“ gehörenden, „Fürstengrotte“ sind wir der Meinung „das war Spitze“ und sind sicher, dass wir demnächst mal wiederkommen.

Weiter ging es am nächsten Tag zunächst durch den Harz und dann durch den Thüringer Wald. Dabei stellte sich zwar heraus, dass es auch in Deutschland herrliche Sträßchen gibt, dass hier aber sehr viel mehr Verkehr herrscht als in Norwegen. So wurden uns die etwas mehr als 400 Kilometer dieser Tagesetappe sehr lang und wir waren froh, als wir endlich in Bad Elster im Vogtland angekommen waren. Aber wenigstens waren wir den ganzen Tag trocken geblieben.

Von Bad Elster aus sollte es am nächsten Tag eigentlich noch durch den Bayrischen Wald Richtung Süden gehen, aber da hatte Petrus wohl etwas dagegen. So führte die letzte Etappe unserer Heimreise auf kürzestem autobahnfreiem Weg zunächst auf der B299 bis Beilngries. Von hier aus ging es dann durchs Altmühltal bis zur B2 und dann über Donauwörth nach Ellerbach.

Fazit

Wenn uns heute jemand fragen würde, ob wir die von uns unternommene Norwegenreise empfehlen können, bekäme er die Radio Eriwan-Antwort von uns „im Prinzip ja“ - und zusätzlich ein paar erklärende Erläuterungen.

1. Anreise

Nicht nur nach Rom führen viele Wege, sondern auch nach Norwegen. Wir fanden die Anreise über Kiel – Göteborg eigentlich deswegen sehr gut, weil man nach der nächtlichen Überfahrt am frühen Morgen ausgeruht in Schweden ankommt und innerhalb einer weiteren Tagesetappe in Norwegen ist. Wir würden diese Strecke jederzeit wieder nehmen, es sei denn, die Tour sollte sich auf das westnorwegische Fjordgebiet beschränken. In dem Fall wäre für uns Hirtshals (Norddänemark) – Kristiansand die Verbindung der Wahl.

2. Unterkünfte

Wenn man von Zimmergröße und Sauberkeit ausgeht, waren wir mit unseren Hotels eigentlich sehr zufrieden. Allerdings handelte es sich doch um ziemlich unpersönliche Herbergen für den Massentourismus. Nette Bed & Breakfast-Unterkünfte mit Familienanschluss wären uns sicher lieber gewesen, aber die gibt es (zumindest in der Dichte wie in England / Schottland / Irland) in Norwegen offensichtlich nicht.

Die Unterkunft in Hütten ist sicher sehr stilvoll, dafür muss man dann aber für die Verpflegung selber sorgen. Und das kostet nicht nur viel Zeit (die man sinnvoller verbringen kann), sondern, selbst wenn man in „billigen“ Supermärkten einkauft, auch eine Menge Geld. Ganz zu schweigen von Restaurantbesuchen, die wirklich heftige Löcher ins Urlaubsbudget reißen!

Aus finanzieller Sicht, also wegen der überschaubaren Kosten, würden wir die von uns gebuchte StenaLine- Hotelrundreise uneingeschränkt weiterempfehlen. Die Hüttenrundreise von der gleichen Firma würden wir (und wir können da wirklich nur für uns sprechen) dagegen nicht empfehlen. Eventuell könnte aber eine individuell geplante Reise mit einer Hütte als zentralem Stützpunkt durchaus auch preislich attraktiv sein.

3. Straßen(-verkehr)

Die Klassifizierung von norwegischen Straßen ist aus unserer Sicht mit Vorsicht zu genießen. Europastraßen mit dem Charakter deutscher Bundesstraßen sind absolut normal und mit Nationalstraßen mit Naturbelag ist zu rechnen. Trotzdem würden wir den Zustand der Straßen im allgemeinen als sehr gut bezeichnen. Sicher gibt es Strecken, für die man eine geländegängige Maschine braucht. Aber die „Straßen“ die wir gefahren sind, sind mit jedem Tourenmotorrad zu bewältigen!

Wir sind nach einer Norwegenreise sicher keine Experten für dieses skandinavische Land, trotzdem halten wir die Ausführung in vielen Reiseführern, dass im Juli als Hauptreisezeit mit „Massen von Touristen“ zu rechnen ist, für stark übertrieben. Das Verkehrsaufkommen war, aus mitteleuropäischer Sicht gesehen, auf den meisten von uns befahrenen Stecken weit unterdurchschnittlich. Nur in Bergen und Oslo fühlten wir uns an deutsche Verhältnisse erinnert. Was uns besonders gefallen hat war die gegenseitige Rücksichtnahme, die wir fast überall im Straßenverkehr beobachten konnten.

Trotz fast 3800 Kilometern in Schweden und Norwegen haben wir übrigens nicht eine einzige Geschwindigkeitskontrolle, und nur eine allgemeine Verkehrskontrolle (bei der wir nicht behelligt wurden), gesehen. Dennoch habe ich mich, bis auf sehr wenige Ausnahmen, an die Geschwindigkeitsbegrenzungen gehalten und mich, wahrscheinlich wegen des Straßenzustandes, trotzdem nie als zu langsam unterwegs gefühlt.

4. Sehenswürdigkeiten

Ein nicht zu übersehendes Loch in die Reisekasse reißen die teilweise sehr hohen Eintrittspreise, die für die kirchlichen, historischen und musealen Sehenswürdigkeiten zu entrichten sind. Hätten wir alle Stabkirchen besucht, die „so am Weg rumstanden“, hätten wir weit über 100 Euro nur für diese Eintrittsgelder bezahlt. Selbstverständlich sehen wir ein, dass die Kirchen für viel Geld restauriert werden müssen, das gilt aber z.B. auch für deutsche oder etwa italienische Gotteshäuser. Und für deren Besuch muss häufig nichts, aber auf keinen Fall so viel berappen. Da uns (und auch hier spreche ich nur für Jutta und mich) das irgendwie an Raubrittertum erinnerte, haben wir diese Beutelschneiderei boykottiert und am Ende die Kirchen nur noch von außen bewundert.

Viel sehenswerter, und in der Regel kostenfrei, sind unserer Meinung nach sowieso die Naturschauspiele, die Norwegen seinem Besucher liefert. Schon aus dem Grunde sollte man einerseits genügend Zeit für die Tour mitbringen und andererseits nicht als Tiefflieger unterwegs sein. Zudem sollte man genügend Filmmaterial mit- (bzw. genügend Speicherplatz in der Digitalkamera) haben.

5. Kartenmaterial

Wir haben in der Planungsphase der Reise lange Kartenmaterial miteinander verglichen und sind am Ende beim „Veiatlas Norge“ (Straßenkarten im Maßstab 1:300 000) hängen geblieben. Das hat mehrere Gründe. Zum Ersten hat Jutta, die ja meine Navigatorin ist und die Karte auch während der Fahrt lesen muss, das Kartenbild sehr gut gefallen. Zweitens haben die Seiten des Atlas ungefähr DIN A4 Format (22,5 x 31,5 cm) und passen so perfekt in die von uns benutze, wasserdichte Kartentasche von Ortlieb.

Das System der Einzelblätter hat den Vorteil, dass man die Karte nicht umständlich und materialmordend knicken muss, um sie in die Tasche zu bringen. Nachteilig ist allerdings, dass man sehr schnell den Gesamtüberblick verliert. Deswegen haben wir zusätzlich die Norwegen-Karte des ADAC im Maßstab 1:750 000 mitgenommen.

Der Veiatlas Norge kostet beim Nordland-Versand übrigens 32,95 Euro, bei "Nordis" dagegen nur 25,90 Euro! Die ADAC-Karte ist für 7,50 € zu haben.

Links

Zu guter Letzt noch ein paar interessante Internet-Links zum Thema Norwegen.

Eine Bitte: tote Links bitte kurz per Email melden (Adresse im Impressum). Danke!

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