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Norwegen – Motorradtour vom 10.07. bis 21.07.2002

Teil I:

Vorgeschichte

Unser „normaler“ Urlaubsmonat ist aus zwei Gründen eigentlich der Juni. Erstens gehört dieser Monat in den meisten Gegenden noch zur Vorsaison – was vor allem den Vorteil hat, dass man auf weniger Touristen trifft. Zweitens ist in den meisten Gegenden Europas das Wetter in diesem Monat für Motorradfahrer erträglich – also weder zu heiß noch zu kalt.

Da Jutta zum 01.01.2002 eine neue Arbeitsstelle angetreten hat und während der Probezeit keinen wirklich langen Urlaub antreten wollte (und eventuell auch gar nicht bekommen hätte) mussten wir in diesem Jahr auf den Juli als Urlaubsmonat ausweichen. Dadurch fielen für uns gleich alle südlichen Länder aus – viel zu heiß!

Da wir schon in England und Schottland (und ich auch in Irland) waren, haben wir uns schon im Januar auf Norwegen als Reiseziel festgelegt und sofort mit dem Studium der einschlägigen Reiseführer begonnen. Dabei fiel uns in mehreren Büchern der Hinweis auf, dass der Juli in Skandinavien der Haupturlaubsmonat sei und es deshalb speziell in Norwegen zu Engpässen bei den Hotelzimmern und Hütten kommen könne. Zudem wurde, vor allem in einigen Reiseberichten, die ich im Internet gefunden habe, immer wieder über das sehr hohe Preisniveau bei Restaurantbesuchen berichtet.

Jutta und ich fahren eigentlich am liebsten auf einer vorgeplanten Stecke „einfach drauf los“ und suchen uns unsere Unterkünfte erst unterwegs. So kann man vor allem die Tagesetappen etwas besser ans Wetter und den Streckenzustand anpassen. In der Unterkunft (Bed&Breakfast, Pension, Hotel) angekommen, suchen wir uns dann gerne ein nettes Restaurant und essen gemütlich zu Abend. Aber das war nach den zuvor gesammelten Informationen in Norwegen wohl so nicht durchführbar.

Hüttenübernachtungen wären sicher eine Alternative gewesen, aber dort dann auch noch jeden Abend selbst etwas kochen – was man zuvor natürlich auch einkaufen muss – wollten wir eigentlich auch nicht. In diesem Dilemma steckend sind wir bei der Suche nach einer günstigen Fährverbindung über ein Angebot der StenaLine für eine 14-tägige PKW/Motorrad-Rundreise gestolpert. Da der Reisepreis nicht nur die Fährüberfahrt und die Hotelübernachtungen mit Frühstück sondern auch noch fast alle Abendessen (bis das in Oslo) enthielt, haben wir nach kurzer Überlegung (und Gegenrechnen unseres „normalen“ Urlaubs in Schottland) zugegriffen und gebucht.

Anreise nach Kiel (05.-09.07.2002)

Wer uns kennt weiß, dass wir mit dem Motorrad nicht besonders gerne auf Autobahnen unterwegs sind. Aus dem Grunde starteten wir schon am Freitag den 05.07.02 mit einer kleinen Tour quer über die schwäbische Alb und den Schwarzwald bis nach nach Neusatz bei Bühl am Westrand des Schwarzwaldes. Dort nahmen wir am jährlichen Treffen unseres Karlsruher Freundeskreises teil. Weiter ging es dann am Sonntag von Neusatz bis nach Neustadt-Königsbach, wo wir Juttas Mutter noch einen kleinen Besuch abgestattet haben.

So richtig gestartet sind wir dann am Montag den 08.08.02 mit einer Fahrt durch das Hessische Bergland an die Weser nach Lauenförde, wo wir im bekannten Motorradfahrerhotel „Villa Löwenherz“ unterkamen. Von hier ging es am nächsten Tag zunächst über Hamburg, wo wir einen Bekannten besuchten, nach Kiel zum Skandinavienkai der StenaLine.

Übrigens hatten wir an allen Tagen unserer Anreise (fast zu) gutes Wetter. Nur kurz nach unserer Ankunft in Kiel entlud sich ein heftiges Gewitter über der Stadt.

Die Fährüberfahrt Kiel – Göteborg (09.07.2002)

Pünktlich um 17:30 (Abfahrt ist 19:30) erreichten wir die Fähre und konnten sofort einschiffen. Das Moped bekam einen Platz ganz im Heck und wurde durch mich mit zwei Stricken festgezurrt. Spanngurte, wie wir sie auf der Fähre nach Schottland kennen gelernt hatten, waren leider nicht vorhanden. Aber die Stricke reichten eigentlich auch aus, um die RT gegen Verrutschen und Umkippen zu sichern.

Danach bezogen wir unsere, im Vergleich zu unserer Überfahrt nach Schottland, sehr geräumige Außenkabine. Geräumig allerdings nur, wenn die Kabine nicht mit den möglichen vier, sondern nur wie in unserem Fall mit zwei Personen belegt ist. Nachdem wir uns frisch gemacht hatten, trafen wir uns um 18:00 Uhr noch mit einem guten Bekannten, der in Kiel wohnt, am Terminal und klönten noch ein bisschen – allerdings nicht sehr lange.

Huette_am_See

Solch idyllische Flecken findet man nur, wenn man kleine Landsträßchen der Autobahn vorzieht.

Da wir für das erste Abendbuffet um 18:30 Plätze gebucht hatten, trieb es uns bald wieder aufs Schiff und zu den Futtertrögen. Entgegen unserer Erfahrungen von der Schottlandüberfahrt wurden wir hier nicht am Ende der ersten „Sitzung“ (gegen 20:00 Uhr) des Feldes verwiesen, sondern konnten bis zum Ende des Buffet (gegen 22:15) in den Genüssen schwelgen und vor allem unseren vernachlässigten Flüssigkeitshaushalt in Ordnung bringen.

Danach hatten wir eine ruhige Nacht, die um 07:00 Uhr durch den allgemeinen Weckruf in drei Sprachen unter- brochen wurde. Nach ausgiebiger Körperpflege, einem ziemlich hektischen Frühstück und dem Zusammenpacken der Taschen blieb uns bis zum pünktlichen Anlegen der Fähre um 09:00 Uhr nur noch wenig Zeit, die Einfahrt des Schiffes in den Hafen von Göteborg zu genießen.

Besonders gespannt waren wir natürlich auf das Wetter „hier oben“ und wurden freudig überrascht. Die Sonne kämpfte sich durch eine dünne, hochnebelartige Wolkendecke und die Temperaturen waren fast schon zu hoch.

Göteborg – Sjusjøen (10.07.2002)

Elche und Schafe

   „Vorsicht Elche!“ ... und Schafe!!!

Der Vorschlag der StenaLine für die Anreise zum ersten Hotel in Sjusjøen sah die Benutzung der E6 praktisch auf der gesamten Strecke vor. Zwar ist die E6 nicht komplett vierspurig ausgebaut, hat aber (wie ich von der Rückfahrt weiß) auf der Stecke Göteborg – Oslo auch nicht viel mehr Charme als eine deutsche Autobahn. Zudem hatte ich in einem Bericht aus dem Internet von möglichen Staus an den Übergängen von den vier- auf die zweispurigen Teilstück sowie an den Mautstellen vor Oslo gelesen.

Aus diesen Gründen haben wir uns schon in Uddevalla von der E6 verabschiedet und sind auf schwedischer Seite über die S172, S177 und S61 bis zur norwegischen Grenze und von hier aus über die S2 und die S24 bis kurz vor Hamar gefahren, wo wir wieder auf die E6 trafen. Bei Moelv haben wir diese dann wieder verlassen und über die S216 und die S02 den kleinen Skiort Sjusjøen erreicht.

Besonders gespannt waren wir natürlich auf unsere Unterkunft. Vor allem, da ich über das Norlandia Panorama Hotell im Internet, außer zwei undeutlichen Fotos und einem kurzen Text in norwegisch, nur recht wenig finden konnte. In Natura stellte es sich als ein von außen nicht sonderlich attraktives, innen aber sehr nett ausge- stattetes Hotel heraus.

Sjusjoen

   Der, leider etwas verschleierte, Blick vom
   Hotel über den See, von dem der Ort Sjusjøen
   seinen Namen hat.

Sehr interessant fanden wir, dass, außer der schmalen Durchgangsstraße, alle weiteren Dorfstraßen (von denen es allerdings nicht allzu viele gibt) und auch die Zufahrt zu unserem Hotel ungeteert waren. Zudem stellte sich die Hoteleinfahrt als ziemlich steil und vom Regen ausgewaschen heraus – den Grund dafür sollten wir am nächsten Morgen erfahren.

Da es direkt nach unserer Ankunft angefangen hatte leicht zu regnen, beließen wir es bei einem kurzen Rundgang in der Nähe des Hotels und begaben uns dann zu unserem ersten Abendessen in Norwegen.

Dieses begann mit einem Schock bei der Frage nach den gewünschten Getränken. Ein Fläschchen Weißwein, der sicher sehr gut zu dem servierten Lachs gepasst hätte, sollte gut 60 Euro kosten. Und selbst ein Gläschen voll schlug noch mit 52 NOK (zirka 7,50 Euro) zu Buche. Und mit dem Bier sah es auch nicht viel besser aus. 49 NOK (6,50 Euro) musste man für einen halben Liter davon hinblättern. Wir waren zwar im Voraus vor den hohen Preisen, speziell denen für alkoholische Getränke, gewarnt worden. Aber so hatten wir sie uns ehrlich nicht vorgestellt.

Nachdem der erste Schock überwunden war, bestellten wir zwei Gläser Wein (man gönnt sich ja sonst nichts) und eine Karaffe Wasser. Letzteres gibt es, wie wir im nachhinein festgestellt haben, in allen Hotels und Restaurants kostenlos. Und zwar auch dann, wenn man keine weiteren Getränke ordert.

Da der Himmel inzwischen ziemlich grau aussah und es zeitweise auch regnete, sahen wir von unserem üblichen Abendspaziergang ab und reinigten statt dessen die Helme sowie die Scheibe der RT. Und zumindest Christian Rohweder ahnt jetzt sicher schon, was kommt ...

Sjusjøen – Oppdal (11.07.2002)

Als wir morgens gegen halbacht aufwachten, schüttete es wie aus Kübeln. Etwas später, wir genossen gerade das ausgiebige Frühstücksbuffet, kam sogar ein heftiges Gewitter dazu. Nun wussten wir auch, woher die tiefen Furchen in der nicht geteerten Zufahrt zu unserem Hotel kamen. Dort floss das Wasser wirklich in Sturzbächen hinunter und schwemmte den losen Untergrund hinaus auf die Straße. Das waren ja gute Aussichten für den geplanten 325 km-Tripp nach Oppdal.

Als wir das Frühstück beendet und unsere Innentaschen in die Koffer der RT gepackt hatten, sah die Welt schon wieder etwas freundlicher aus – es nieselte nur noch. Also starteten wir verzugslos Richtung Lillehammer, wo die Entscheidung darüber fallen sollte, wie wir die heutige Tour fortsetzen wollten. Geplant war nämlich, über den „Peer Gynt Vegen“, eine im Reiseführer als „spektakuläre Bergstraße“ bezeichnete Mautstrecke, zu fahren.

Wir waren gerade losgefahren, da fing es wieder an zu schütten, und kurz vor Lillehammer hatten wir offen- sichtlich das Gewitter eingeholt, das während unseres Frühstücks in Sjusjøen getobt hatte. Die Straße füllte sich, obwohl sie steil abwärts führte, binnen weniger Minuten mit Wasser und an eine Weiterfahrt war nicht zu denken. So haben wir uns erst mal fast eine Stunde unter dem Vordach einer Lagerhalle untergestellt und dem Inferno zugeschaut.

Ringebu

Der Blick auf die Stabkirche von Ringebu wurde leider durch den wieder einsetzenden Regen etwas getrübt.

Dovrefjell

Auf dem „Dovrefjell“ kämpft sich die Sonne durch die Wolken und Jutta gewinnt ihr Lächeln zurück.

Als das Gewitter sich ausgetobt hatte und der Wasser- pegel auf der Straße zu sinken begann, machten wir uns wieder auf den Weg. Da es aber immer noch regnete, war an die Benutzung des „Peer Gynt Vegen“ nicht zu denken. Statt dessen verließen wir Lillehammer über die E6 fluchtartig.

Mit jedem Kilometer, den wir nach Norden fuhren, wurde es trockener. Zwar holte uns der Regen bei unserem kurzen Stop an der Stabkirche von Ringebu und einem Abstecher von Kvam hinauf zum Hotel „Rondablikk“ nochmals ein, aber danach wurde es Zusehens trockener. Und als wir nach der Ortschaft Geitberger den „Aufstieg“ auf das „Dovrefjell“ begannen, kämpfte sich ab und zu sogar die Sonne durch die immer noch bedrohlich aussehenden Wolken.

Nach gut 290 meist auf der E6 zurückgelegten Kilometern trafen wir gegen 15:30 in Oppdal ein und wurden hier von gut 20 Grad und Sonnenschein überrascht. Da hielt es uns natürlich nicht in unserem hübschen Zimmer. Nachdem wir das Moped vom Gepäck befreit und einen kurzen Blick auf die Karte geworfen hatten, beschlossen wir zu einer kleinen Rundtour zu starten.
 

Zunächst folgten wir der S70 Richtung Westen, bogen aber schon nach zirka 7 km rechts in die S512 ab. Diese führte uns vorbei an zwei hübschen Seen durch ein sehr dünn besiedeltes Hochtal zur S700 im Norden. Die S512 ist in der Karte gelb eingezeichnet, mithin also eine Provinzstraße, und zunächst zwar schmal aber sehr gut geteert und herrlich zu fahren.

 

Bauernhof_S512

   Einsamer Bauernhof an der S512.

 

Zumindest letzteres änderte sich auch nicht, als plötzlich und ohne jeden vorherigen Hinweis direkt nach einer Kuppe die Teerdecke aufhörte. Nach einem gehörigen Schreck und einer kurzen Eingewöhnungsphase ging es mit fast unverminderter Geschwindigkeit (80 km/h sind erlaubt) weiter. Wie wir später noch häufiger festgestellt haben sind diese Naturstraßen, die nach meiner Erfahrung nur selten gesplittet oder geschottert sind, eigentlich sehr gut zu fahren. Wenigstens solange sie trocken sind.

Bei Erreichen der S700 hielten wir uns zunächst rechts Richtung E6, entschlossen uns dann aber, die westlich parallel verlaufenden Provinz- und Privat­sträßchen auszuprobieren. So kamen wir bei der gut 100 Kilometer langen Runde auf über 30 Kilometer Naturstraße.

Himmelbett

Hotel_Oppdal

Nach einem sehr guten Abendessen und einem ausgiebigen Spaziergang durch Oppdal fielen wir todmüde in unser Himmelbett.

    Das Quality Hotel Oppdal besteht aus einem
    alten, stilvollen Granditbau und daran ange-
    bauten, neuen und komfortablen Zimmern.

Oppdal – zweiter Tag (12.07.2002)

Am Vorabend hatten wir uns lange überlegt, was wir an diesem Tag unternehmen sollten. Zur Auswahl standen neben einer Fahrt nach Trondheim unter anderem auch ein Ausflug in den Nationalpark „Dovrefjell“ inklusive Moschusochsensafari. Leider waren wir da aber mit der Anmeldung zu spät dran, so dass wir uns für eine kleine Motorradtour entschieden.

Von Oppdal ging es zunächst auf der E6 zirka 18 Kilometer nach Norden. Hier bogen wir rechts auf ein kleines Verbindungssträßchen (S508) ab, welches uns nach sechs Naturstraßenkilometern und einigen sehr schönen Einblicken in die Landschaft zur S3 brachte. Dieser folgten wir durch Orkdalen und später durchs Tunndalen Richtung Tynset. Leider brachte die S3 nicht den erhofften Fahrspaß. Zwar ist die Landschaft sehr schön und der Verkehr fast vernachlässigbar, aber die Straße schlängelt sich durch die beiden Täler, ohne an den Fahrer irgendwelche Ansprüche zu stellen.

Wildfach_Vang

Durch das alte Gräberfeld von Vang schlängelt sich malerisch ein Wildbach.

Dies änderte erst ein Abstecher von Fåset hinauf zum Skigebiet beim See Savalen. Das Sträßchen hat alpinen Charakter und bringt so richtig Fahrspaß. Leider konnten wir die Strecke, die auf unserer Karte rund um den See und dann hinunter zur S29 führt, nicht finden. So ging es zurück zur S3, der wir bis zu dem Punkt folgten, wo die S29 nach Westen ins Folldalen abbiegt.

Kurz bevor wir wieder die E6 erreichten und nach Norden abbogen, fing es an zu regnen, aber auf dem Dovrefjell war es schon wieder trocken und in Oppdal schien die Sonne durch die lockere Bewölkung. Da so eine 260 km-Rundfahrt den Tag natürlich bei weitem nicht ausfüllt, folgten wir einem auf dem Zimmer vorgefundenen Prospekt über die Sehenswürdigkeiten von Oppdal und erkundeten zunächst per Pedes das Gräberfeld in Vang.

Danach besuchten wir die 1651 in Blockhausbauweise errichtete Kirche von Oppdal sowie das gleich nebenan befindliche „Raulåna“ (das rote Haus), welches 1675 als Herberge für durchreisende geist­liche und öffentliche Amtspersonen erbaut wurde. Zu guter Letzt wollten wir uns auch noch das Heimat­museum „Fjellkåsa“ anschauen, welches wegen der vorgerückten Stunde aber schon geschlossen hatte.
 

Oppdal – Molde (13.07.2002)

Von Oppdal aus nach Westen folgten wir der S70 durchs Sunndalen hinunter zum Sunndalsfjorden. Bei Gjøra nutzten wir die Gelegenheit zu einem hochalpinen Abstecher durch das enge Tal der Grøva, an dessen Ende uns die Karte einen spektakulären Wasserfall versprach. Wie sich vor Ort herausstellte, waren es gleich mehrere. Den größten davon bekommt man am besten zu sehen, wenn man zirka vier Kilometern nach Gjøra eine unscheinbare, sehr schmale und steile aber geteerte Straße nach links abbiegt und ihr bis zu ihrem Ende folgt. Wieder zurück im Tal folgten wir der S314 ihren steilen Serpentinen hinauf aufs Hælfjellet, einem sehr schönen Hochtal, und genossen dabei neben der kurvenreichen Streckenführung die herrliche Landschaft.

Bei Sunndalsøra eröffnet sich uns dann zum ersten mal der Blick auf einen Fjord. Dieser wurde aber leider dadurch gestört, dass die S70 hier durch mehrere Tunnel geführt wird. Ärgerlicherweise ist die Umfahrung der


Tingvollfjorden

Blick über den Tingvollfjorden

„Tunnelen“ auf der teilweise noch erkennbaren alten Straße nicht möglich. Die S70 trennt sich sehr schnell wieder vom Sunndalsfjorden und wendet sich zunächst dem Ålvund- und später dem Tingvollfjorden zu. Ausblicke auf die beiden Fjorde werden aber leider häufig durch dichte Wälder und die Tatsache erschwert, dass die Straße bei weitem nicht so dicht am Wasser entlang läuft wie es die Karte suggeriert.

Da uns das Wetter an diesem Tag wirklich wohlgesonnen war, entschlossen wir uns, einen Umweg über Kristian- sund und die sogenannte Atlantikstraße (Atlanterhavs­ vegen) zu machen. Dabei folgten wir der S70 zunächst mal unters Wasser, und das für immerhin gut vier Kilometer. Um diesen teilweise dreispurig ausgebauten Tunnel benutzen zu dürfen, waren 56 NOK (knapp 8 Euro) zu berappen.


Von Kristiansund haben wir leider nicht allzu viel gesehen, da unsere Fähre auf die Insel Averøy recht bald ablegte. Nur dass es wohl eine recht geschäftige Stadt ist, hat uns schon alleine der etwas dichtere Straßenverkehr und ein Blick in die belebte Fußgängerzone gezeigt.

Atlanterhavsvegen

   Zwei Brücken des Atlanterhavsvegen

Nach der viertelstündigen, 53 NOK (zirka 7,50 Euro) teueren Überfahrt folgten wir der S64 Richtung Süden und erreichten bei Karvag die Atlantikstraße.

Zwar kannten wir diesen Streckenabschnitt aus einigen Reiseberichten und Bilder davon hatten wir auch schon gesehen, aber vor Ort waren wir trotzdem von der Kühnheit der Steckenführung überrascht und fasziniert. Mit einer maximalen Steigung von 8% überfährt man insgesamt 8 Brücken und mehrere Dämme, mit denen die Verbindung zwischen der Insel Averøy und dem Festland geschlagen wird. Unter der höchsten, der Storseisund-Brücke, können Schiffe mit einer Durchfahrtshöhe von immerhin 23 Metern in den Lauvøyfjorden einfahren.

Im weiteren Verlauf zeigt sich die S64 dann leider weniger reizvoll. Nur die Um­fahrung des Tussentunnelen auf der alten S64 brachte noch mal richtig Fahrspaß, bevor wir nach etwas mehr als 300 Kilometern die Stadt Molde erreichten.

Hier waren wir im Rica Hotel untergebracht, welches einen etwas zwiespältigen Eindruck bei uns hinterlies. Von außen ein ziemlicher Betonkasten, erwiesen sich sowohl unser Zimmer als auch das Restaurant als sehr geschmackvoll eingerichtet. Und der Blick über den Romsdalsfjorden aus unserem Zimmer konnte sich wirklich sehen lassen!

Molde
Der Romsdalsfjorden im Vorder- und die Gipfel der Romsdalsalpen im Hintergrund.

Am Tag unserer Ankunft war das Restaurant im Hotel von einer Hochzeitsgesellschaft gebucht, was für einige Hektik in der Küche sorgte. Das führte dazu, dass beim Abendessen die Vorspeise einfach vergessen wurde und das Hauptgericht schon ziemlich kalt war, als es bei uns ankam. Dafür hat dann das Hotel die kompletten Kosten für unsere beim Essen genossenen Getränke übernommen – woraufhin ich natürlich noch ein zweites Bier geordert habe.

In Molde findet alljährlich Mitte Juli ein Jazzfestival statt, das heuer am Montag nach unserem Besuch begann. Ein kleiner Vorgeschmack wurde uns aber auf einer Freilichtbühne mitten in der Stadt geboten, wo noch um Mitternacht die Post abging. Als kleine Nachwirkung davon, oder eventuell auch von der Hochzeit, „fanden“ wird am Morgen einen Hotelgast auf dem Flur vor seiner Zimmertüre schlafend. Offensichtlich hatte der arme Kerl es nicht mehr geschafft, die Chipkarte in den Schlitz der Türsteuerung einzuführen.


Jachthafen_Molde

Blick über Jachthafen von Molde und den Romsdals- fjorden auf die Romsdalsalpen

Molde - Sæbø (14.07.2002)

Eigentlich soll man im Urlaub ja “zeitlos” leben, aber das war an diesem Tag nicht möglich. Vielmehr bestimmten die Abfahrtzeiten der Fähren unseren Rhythmus und damit auch unseren Startzeitpunkt.

So machten wir uns, durch ein ausgiebiges Frühstück gestärkt, schon um 09:00 Uhr auf den Weg zur Fähre Sølsnes – Åfarnes, auf dem wir zunächst den Fanne­ fjorden in einem mautpflichtigen Tunnel (30 NOK = 4,25 €) unterquerten. Nach der kurzen Fährüberfahrt (52 NOK = 7,37 €) ging es auf der S64 weiter entlang am Isfjorden bis nach Andalsnes. Wie wir leider erst später erfahren haben, hätten wir hier der E136 zirka 10 Kilometer Richtung Dombås folgen und uns „Trollveggen“, mit 1500 Metern Europas höchste senkrechte Bergwand, anschauen sollen.

Vorsicht_Trolle

Vorsicht Trolle!

Trollstigen

Der Trollstigen von oben

Statt dessen bogen wir schon vier Kilometer nach Andalsnes rechts in die S63 ein und machten uns auf zum bekannten Trollstigen. Die 1936, nach 20-jähriger Bauzeit eröffnete Straße, verbindet über 11 Haarnadelkurven bei einer maximalen Steigung von 12 % das Isterdal mit dem Meierdal. Dabei wird auf knapp zehn Kilometern eine Höhen­differenz von etwa 850 Metern überwunden.

Mittendrin überquert die Straße einen tosend hinab rau- schenden Bach, und obwohl eigentlich auf der gesamten Strecke wegen der Enge der Straße das Anhalten verboten ist, Parken in den Ausweichbuchten die Schaulustigen und packen Fotoapparate und Videokameras aus.

Dabei hat man den besten Überblick über den Trollstigen eigentlich von dem leicht erreichbaren Aussichtspunkt, der innerhalb weniger Minuten Fußmarsch vom großen Parkplatz am Trollstig­heimen (direkt hinter den Souvenirbuden) zu erreichen ist.

Da wir schon so zeitig gestartet waren, konnten wir den Trollstigen noch bei relativ geringem Verkehr genießen. Als wir ihn gegen 12:30 wieder verließen, war sowohl auf auf dem Parkplatz als auch auf der Serpentinenstrecke die Hölle los.

Nach dem Trollstigheimen fällt die Straße relativ gemächlich auf über 20 Kilometern ins Meierdal hinunter. Dabei ändert sich die Gegend recht schnell von einer kargen Hochgebirgs- region in ein reiches Obstanbaugebiet, in dem es unter anderem große Erdbeerfelder gibt. Und so kann man für 20 NOK (2,85 €) pro 250-Grammschälchen das Wunder genießen, im hohen Norden frisch geerntete 1a-Erdbeeren zu verspeisen. Weiter im Norden als hier geht das in Europa meines Wissens nicht mehr.

Geirangerfjorden

Blick von der Adlerstraße auf den Geiranger- fjorden

Dalsnibba

Blick von Dalsnibba zum Geirangerfjorden

Nach der Fährüberfahrt von Linge nach Eisdalen folgten wir der S63 weiter Richtung Süden. Die Straße steigt zunächst über 15 Kilometer zwischen zwei über 1600 Meter hohen Bergen hindurch auf gut 650 Meter an. Als wir den höchsten Punkt erreicht hatten, verschlägt es uns fast die Sprache. Im Geiranger­fjorden lag ein Kreuzfahrschiff und bei strahlend blauem Himmel bot sich uns eine Postkartenidylle erster Klasse.

Über die 12 Kehren der Adlerstraße (Ørnevegen), die wir am liebsten gleich noch mal rauf und wieder runter gefahren wären, ging es hinunter in die kleine Ortschaft Geiranger. Wo wir uns allerdings nicht lange aufhielten, da auf der anderen Seite die 20 Spitzkehren des Geirangervegen auf uns warteten, um uns auf nur 16 Kilo­meter Strecke von Meereshöhe auf 1038 Meter zur Djupvasshytta zu bringen.

Hier haben wir 35 NOK (knapp 5 Euro) Maut investiert, um über eine zirka drei Kilometer lange, mit zehn Kehren gespickte, ungeteerte Mautstraße auf den 1495 Meter hohen Aussichtspunkt Dalsnibba zu fahren. Da die Strecke auch von Wohnmobilen und Bussen benutzt wird, sind vor allem die Kehren ziemlich ausgefahren und da fast überall keine Randsicherung vorhanden ist, ist vor allem bei der Abfahrt der Adrenalinpegel ziemlich hoch. Aber wegen der herrlichen Aussicht auf den Geirangerfjorden lohnt der Abstecher auf jeden Fall!

Brautschleier

  Der „Brautschleier“-Wasserfall im Geiranger-
  fjorden












 


Allerdings waren die von uns für den Abstecher einge- planten eineinhalb Stunden viel zu knapp gerechnet. So mussten wir die Abfahrt von Djupvasshytta hinunter zum Fähranleger nach Geiranger in einer für den Urlaub und vor allem für Norwegen untypischen Eile zurücklegen, um nicht unsere Fähre nach Hellesylt zu verpassen. Diese geht nämlich nur alle eineinhalb Stunden, und so ein Verzug hätte unsere gesamte Planung über den Haufen geworfen.

Die Fahrt durch den Geirangerfjorden ist ein wirklich einmaliges Erlebnis, das eigentlich nicht zu beschreiben und auch kaum durch Bilder zu belegen ist. Die mehrere hundert Meter hohen, teilweise nur 500 Meter voneinander entfernten Felswände, die den Fjord einschließen, beeindrucken wohl jeden. Wir sind jedenfalls während der gut einstündigen Fahrt aus dem Staunen nicht herausgekommen. Die 225 NOK (= 32 Euro) für die Fahrt lohnen sich auf jeden Fall!

Von Hellesylt ging es über die S60 zunächst nach Tryggestad, wo wir rechts auf die S655 nach Leknes abbogen. Diese, als Nationalstraße ausgewiesene Straße, ist schon gleich am Anfang sehr schmal und schön kurvig. Hätte ein Autofahrer vor uns nicht angehalten und uns vorbei gelassen, wäre ich nie und nimmer an ihm vorbei gekommen. Nach wenigen Kilometern endet, ohne jedes Hinweis- oder gar Warnschild, die Teerdecke und man findet sich auf einer relativ schlechten, stark gesplitteten Naturstraße wieder, welche erst nach gut 20 Kilometern in Leknes endet.

Sagafjord_Hotel

Das Sagafjord Hotel in Sæbø

Um unser Ziel Sæbø zu erreichen, müssen wir noch mal eine Fähre bemühen, die unser Bugget allerdings diesmal mit nur 52 NOK (=7,37 €) belastete. Dafür brachte es uns zu unserer schönsten Unterkunft während dieser Reise, dem grasgedeckten, direkt am Wasser gelegenen Sagafjord Hotel in Sæbø.

Leider war es auch das erste Hotel, in dem wir auf eine ganze Busladung deutscher Touristen gestoßen sind. Und die waren während des Abendbuffets mindestens eben so nervig wie die Möwen, welche die halbe Nacht einen Höllenspektakel veranstaltet haben. Aber während man sich gegen letzteres mit Ohrenstopfen behelfen konnte, war das am Buffet nicht möglich.



Sæbø – Ålesund – Sæbø (15.07.2002)

Da die Bustouristen ihre Tour schon sehr früh begannen (8:00 Uhr), hatten wir wenigstens das Frühstücksbuffet fast für uns alleine. Danach fuhren wir über die S655 über Ørsta und von dort über die E39 nach Rjånes, von wo aus es mit der Fähre nach Eiksund ging. Hier folgten wir der S653 und der S61 nach Hareid, von wo aus wir mit der Fähre direkt nach Ålesund übersetzen wollten. Leider klappte das nicht, da es sich bei der Fähre um einen für reinen Personenbetrieb ausgelegten Katamaran handelte. Also setzten wir von Hareid mit der Autofähre nach Suledund über und fuhren von dort aus nach Ålesund.

Alesund_1

Der „Indre Havn“ mit Blick auf Jugendstilhäuser

Diese garnicht so kleine Stadt ist vor allem dadurch bekannt, dass sie in der Nacht vom 22. auf 23. Januar 1904 fast vollständig ein Opfer der Flammen und danach innerhalb weniger Jahre komplett im Jugendstil wieder aufgebaut wurde. Zudem ist Ålesund Norwegens größter Fischereihafen, wovon man aber beim Stadtbesuch eigentlich wenig mitbekommt. Vielmehr geht es eher beschaulich zu in den Straßen, und am „Indre Havn“ dominieren Freizeitboote das Bild und nur von zwei echten Fischerbooten herunter wurden frische Garnelen angeboten – der Liter zu 20 NOK (2,84 €).

Als absolutes Muss beschreiben alle Reiseführer den Besuch des Aussichtspunktes Fjellstua auf dem Hausberg Aksla, der aus der Altstadt heraus über einen 418 Stufen zählenden, steilen Treppenweg zu erreichen ist. Da Jutta und ich schon die ganze Stadt, inklusive des kleinen Parks „Aspøya“, per Pedes erkundet hatten, haben wir uns die Kletterei allerdings erspart und sind „von hinten“ mit dem Motorrad raufgefahren.

Alesund_2

   Blick über Alesund vom Aussichtsp. Fjellstua aus

Obwohl die Garnelen billig und sehr lecker waren und auch der Blick von Fjellstua über die Stadt durchaus imposant ist, waren Jutta und ich alles in allem ein wenig enttäuscht von Ålesund und sind uns einig, dass wir bei einem nochmaligen Norwegenbesuch diesen Abstecher auslassen werden.

Viel besser hat uns dann schon die „Heimfahrt“ nach Sæbø gefallen. Nach der Fährüberfahrt von Solevåg nach Festøy fuhren wir auf der ungeteerten S65 bis in die winzige Ortschaft Standal. Die Straße schlängelt sich auf den zirka 13 Kilometern dicht am Fjord entlang und bietet dabei herrliche Blicke über den Hjørundfjorden.

Kurz vor einen mit Wellblech ausgekleideten Tunnel fanden wir eine kleine, flache Bucht, in der wir endlich mal ein wenig baden wollten. Leider war das Wasser so kalt, dass daraus nur ein Fußbad wurde. Kurze Zeit später, nachdem wir den Tunnel durchquert hatten, fanden wir direkt neben der Straße ein zirka 20 mal 50 Meter großes Schneefeld. Und das wohlgemerkt auf Meereshöhe und mitten im Juli!

Von Standal aus hätten wir zunächst mit einer Fähre auf die andere Seite des Fjords nach Tranndal, und dann von dort, wiederum mit einer Fähre, nach Sæbø übersetzen können. Aber nachdem wir am Morgen im Hotel auf die Frage nach der Befahrbarkeit der Strecke zwischen Standal und Høgebruna ein „ungeteert, steil und kurvig aber fahrbar“ zu hören bekommen hatten, stand die weitere Route fest.

Hjorundfjorden

   Blick über den Hjørundfjorden von Sæbø aus

Wie wir feststellen konnten traf die Beschreibung 100%ig zu. Vorbei an einem Steinbruch führte die Straße über mehrere Kehren hinauf zur „Passhöhe“, wobei sich wieder einmal herrliche Blicke über die Fjordlandschaft boten. Oben angekommen waren wir ziemlich überrascht über die vielen Hütten, die hier im Gelände verteilt stehen. Trotzdem hatten wir auch bei der „Abfahrt“ durchs Follestaddalen hinunter zur S655 die Straße praktisch für uns alleine.

Nach diesem eher gemächlich gefahrenen Teilstück machte dann die kurvige und schmale aber geteerte S655 hinüber nach Sæbø so richtig Spaß und brachte uns schnell zum Hotel zurück. So waren wir mit dem Abendessen schon so gut wie fertig, als der Bus eintraf und die große Schlacht ums Buffet wieder begann. Da flüchteten wir lieber, unternahmen einen Abendspaziergang und schauten den Anglern dabei zu, wie sie versuchten einen der vielen Lachse aus dem Fluss vor dem Hotel zu ziehen.

Sæbø - Vik(16.07.2002)

Trotz der lauten Bustouristen und der noch lauteren Möwen wären wir eigentlich gerne noch ein wenig länger in Sæbø geblieben. Das Hotel war sehr gemütlich, das Zimmer schön, das Essen gut und reichlich, die Gegend herrlich – aber bei vorgebuchten Rundreisen geht das nun mal leider nicht. Also machten wir uns, bei relativ kühlen Temperaturen und bewölktem aber trockenem Himmel, wieder mal zu unserer Standardzeit auf den Weg.

Zunächst ging es über die inzwischen wohlbekannte S655 ein Stück Richtung Westen, allerdings nur knapp 15 Kilometer. Dann bogen wir links auf eine Naturstraße ab, die uns über mehrere (zum teil geteerte) Spitzkehren „hinüber“ zur S651 führte. Dieser, und später der E39, folgten wir dann bis Nordfjordeid ... wo wir zum Glück eine Tankstelle fanden. Der Tageskilometerzähler der RT zeigte nämlich schon über 400 Kilometer und die Tankanzeige nur noch einen Balken – und bis zur nächsten Tankstelle bei Stryn waren es noch gut 40 Kilometer. Die legten wir dann aber stressfrei mit vollem Tank über die S15 zurück. In Stryn wechselten wir auf die S60 und fuhren entlang des Faleidfjorden bis Olden.

Hornindalsvatnet

Bei Windstille und kristallklarem Wasser spiegeln sich die Berge im Hornindalsvatnet

Jostedalsbreen

  Der Jostedalsbreen bei Briksdal





















Von hier aus folgten wir der sehr schmalen aber gut geteerten S724 entlang des Oldevatnet. Leider wurden uns die ersten 10 Kilometer durch einen Reisebus vermiest, an dem kein Vorbeikommen war. Erst auf der Brücke über den See, die einzige etwas längere Gerade im Verlauf der Straße, konnte ich den Bus überholen und wir hatten endlich freie Fahrt und vor allem einen ungestörten Ausblick auf das Ziel unseres Abstechers, den Briksdalsbreen. Bei diesem Gletscherarm handelt es sich um einen Ausläufer des Jostedalsbreen, des größten Gletschers auf dem europäischen Festland.

Wenn man am Ende der Straße angekommen ist, glaubt man den Gletscher fast greifen zu können. Das täuscht aber - um tatsächlich bis zum Eis vorzudringen, ist ein Fußmarsch von zirka einer Stunde notwendig. Wem das zu anstrengend ist, kann sich von einer der regelmäßig verkehrenden Pferdekutschen hinbringen zu lassen. Eigentlich hätten wir schon gerne an einer Gletscherwanderung teilgenommen, aber irgendwie hat uns die Masse der Leute abgeschreckt, die sich offensichtlich ebenfalls dafür interessierten.

Na ja, eigentlich waren es solche Menschenmengen, wie wir sie in Deutschland oder Südeuropa an Sehenswürdigkeiten immer wieder erleben, garnicht. Aber durch den recht beengten (Park-)Platz am Ende des Oldedalen erscheint einem die Gegend schon recht heftig besucht. Diesen Eindruck verstärkte in unserem Fall noch die Tatsache, dass wir auf unserer bisherigen Norwegentour, außer in den Hotels, eigentlich kaum auf Touristen getroffen waren. Trotzdem würden wir den Abstecher von Olde „hinauf“ zum Briksdalsbreen immer wieder machen. Und das nicht nur wegen der herrlichen Ausblicke auf den Gletscher und die Natur in dem engen Tal, sondern auch wegen der schön geschwungenen Straße, die wir bei der Abfahrt, ohne vorausfahrenden Bus und bei inzwischen wesentlich schönerem Wetter, so richtig genießen konnten.

Wieder in Olden angekommen ging es auf der S60 weiter entlang am Faleidfjorden und am Innvikfjorden bis Utvik. Von hier ab windet sich die S60 in mehreren tollen Serpentinen auf relativ kurzer Strecke von Meereshöhe hinauf auf einen gut 1000 Meter hohen Bergrücken und dann wieder hinunter nach Byrkjelo, wo wir auf die E39 nach Süden wechselten.

Jolstravatnet02

Blick auf den Jølstravatnet von Skei aus

Auf dem Teilstück zwischen Byrkjelo und Skei bestätigte sich einmal mehr, dass man an eine Europastraße in Norwegen auf keinen Fall die Maßstäbe anlegen darf, die wir in Mitteleuropa von Fernverkehrsstraßen gewohnt sind. Zwar ist die Straße relativ breit und gut ausgebaut, wird aber an mehreren Stellen offensichtlich häufig von großen Ziegenherden überquert und als Toilette benutzt. Und das ohne jede Vorwarnung durch ein Schild! So blieb es uns nicht erspart, mit 80 km/h plötzlich auf gemächlich dahintrottende Ziegen „aufzufahren“, was den Adrenalinspiegel in ungeahnte Höhen treibt. ABS sei Dank, ist dabei weder uns noch den Ziegen etwas passiert.

In Skei wechselten wir auf die S5, die uns entlang des Kjøsnesfjorden zum nördlichen Eingang des Fjærlandstunnelen brachte. Dieser unterquert einen weiteren Ausläufer des Jostedalsbreen, den Marabreen und spuckte uns im Bøyadalen wieder aus. Kurz nachdem wir den Tunnel verlassen hatten, bogen wir links auf eine Naturstraße ab, die uns fast direkt bis zu dem kleinen Gletschersee brachte, in den der Bøyabreen mündet. Hier kann man mit etwas Glück dem Gletscher beim „Kalben“ zuschauen.

Boyabreen

   Blick auf den Bøyabreen (S5 zwischen Lunde
   und Bøyane)

Der Bøyabreen ist touristisch bei weitem nicht so erschlossen wie z.B. der Briksdalsbreen. Das ist um so erstaunlicher, da er eigentlich direkt an der S5 liegt. Uns kann es aber nur recht sein, dass auf dem Parkplatz nur wenige Autos und Wohnmobile (häufig mit deutschem Kennzeichen) stehen und der kurze Fußweg zum Gletschersee zwar gut genutzt aber nicht überlaufen ist. Allerdings scheitert Juttas Versuch, entlang des Sees direkt bis zum Gletscher zu gelangen daran, dass dorthin nur ein offensichtlich selten benutzter, ziemlich matschiger und rutschiger Trampelpfad führt.

Nur wenige Kilometer weiter liegt direkt an der S5 das „Norsk Bremuseum“, dessen Besuch in jedem Reiseführer als sehr lohnenswert beschrieben wird. Das müssen wohl sehr viele Leute gelesen haben, denn der recht große Parkplatz war mit Bussen, Wohnmobilen und Autos regelrecht zugeparkt. Also haben wir uns entschlossen, den Besuch des Gletschermuseums auf unseren nächsten Norwegenurlaub zu verschieben. Das Bøyadalen endet am Fjærlandsfjorden, dem die S5 jedoch leider nur kurz folgt. Schon nach wenigen Kilometern beginnt der mautpflichtige (65 NOK, zirka 9,20 €) Frudalstunnelen, der auf einer Strecke von zirka 6 Kilometern den 1598 Meter hohen Frudalsbreen unterquert. Heraus kommt man im Sogndalsdalen, durch das die S5 hinunter an den Sogndalsfjorden führt.

Bei dessen Erreichen hätten wir eigentlich gleich auf die S55 wechseln sollen, aber Jutta hatte sich in den Kopf gesetzt, vorher noch die Stabkirche von Kaupanger zu besichtigen. Leider ist die nicht besonders gut ausgeschildert, so dass wir uns plötzlich auf der übermäßig gut ausgebauten Strecke zur Fähre nach Fodnes wiederfanden. Erst nachdem wir umgedreht hatten, entdeckten wir den Weg zu der alten Holzkirche und hielten uns dort dann etwas länger auf, als es uns unser Zeitplan eigentlich zugebilligt hätte.

Das wäre nicht weiter schlimm gewesen, wenn zwischen uns und unserem nächsten Hotel nicht wieder mal eine Fähre „gestanden“ hätte. Und zwar eine, die nur alle 45 Minuten verkehrt. Das führte dazu, dass wir die 35 Kilometer zwischen Sogndalsfjøra und Hella in weniger als 30 Minuten zurücklegen „mussten“. Und das bei einer zulässigen Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h und einigen längeren Ortsdurchfahrten. So wurde die Strecke entlang des landschaftlich sehr schönen Sogenfjorden eine der wenigen, auf denen ich in Norwegen die zulässige Geschwindigkeit überschritten habe. Nach der Überfahrt von Hella nach Vangsnes ging es dann wieder ganz gemütlich die etwas mehr als zehn Kilometer nach Vik i Sogn, wo wir im Hopstock Hotel untergebracht waren.

Das Hopstock Hotel und Motel war wieder mal eines von den nicht ganz so schönen, jedenfalls von außen. Das Zimmer war dagegen ganz passabel und das Abendessen, diesmal kein Buffet sondern ein Dreigängemenü, sehr gut. Unser allabendlicher Spaziergang führte uns diesmal hinunter an den Fjord und durch den Ortskern aus alten Holzhäusern zurück zum Hotel.

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